Wenn ein Arzt den Satz ausspricht, der ein Leben erschüttert, verschiebt sich plötzlich alles: Der Alltag, die Pläne, die Gewissheiten. Krebs ist mehr als eine Diagnose; er ist ein Erdbeben, das Familien in Schockstarre, Angst und organisatorische Dauerbaustellen versetzt. Neben Operationen, Therapien und Medikamentenplänen drängt sich eine zweite Wahrheit in den Vordergrund: Das Geld wird knapp. Zuzahlungen summieren sich, Erwerbstätigkeit bricht weg, und am Ende des Monats bleibt oft weniger übrig, als für eine kleine Auszeit nötig wäre. Genau hier setzt der Verein Auszeit für die Seele aus Alt-Fonixil bei Wittmund in Ostfriesland an. Er vermittelt kostenlose oder stark vergünstigte Ferienwochen für Krebspatientinnen und -patienten und ihre Familien – damit betroffene Menschen wieder Kraft schöpfen und sich als Gemeinschaft erleben können. Durch das Gespräch führte Redaktionsleiter Georg Mahn in den Studios von „Trude Kuh“.
Wie aus persönlicher Erfahrung eine Bewegung wurde
Gegründet wurde Auszeit für die Seele im Jahr 2017 von der ersten Vorsitzenden Annemarie Hunecke und dem zweiten Vorsitzenden Reinhard Göddemeyer. Beide kennen die Krankheit aus unmittelbarer Nähe, beide haben familiäre Krebserfahrungen durchlebt. Die Idee zum Verein verdichtete sich ungewöhnlich praktisch: Nach einem Augenarzttermin durfte Annemarie Hunecke nicht selbst fahren, und beim Warten las Reinhard Göddemeyer im Stern über den israelischen Verein Refana.org. Dessen Konzept – schwer erkrankten Menschen unkomplizierte Erholungszeiten zu ermöglichen – traf genau den Nerv dessen, was den beiden in Deutschland fehlte. Gemeinsam mit einem Gründungsmitglied, liebevoll „Opa Hans“ genannt, machten sie „Nägel mit Köpfen“ und überführten die Inspiration in ein deutsches Pendant. Aus dem Impuls wurde ein verlässliches Versprechen: Wer Krebs hat und finanziell in Not geraten ist, soll trotzdem aufs Durchatmen hoffen dürfen.
Finanzielle Realität und menschliche Würde
Das Team beschreibt ungeschönt die Lage vieler Betroffener. Nicht alle Kosten werden getragen, Zuzahlungen für Chemo, Tabletten und Hilfsmittel sind Standard. Wer länger erkrankt, rutscht oft in Grundsicherung. Urlaubsbudgets verschwinden, selbst kleine Erholungen werden unerschwinglich. Daraus leitet sich die klare Zielgruppe des Vereins ab: Menschen, deren Einkommen die Grenze der Machbarkeit längst unterschritten hat. Die Vermittlung beginnt meist mit einem Flyer, den Sozialarbeiterinnen in onkologischen Kliniken im Rahmen der Entlassungsvorbereitung weitergeben. Ein Teil der angesprochenen Patientinnen und Patienten reagiert nicht – manche glauben das Angebot schlicht nicht. Aber wer sich meldet, stößt auf eine Struktur, die transparent und empathisch ansetzt: Nach der Anfrage per E-Mail verschickt Annemarie Hunecke die Unterlagen. Benötigt werden Diagnosenachweis und der Bescheid über Grundsicherung, damit die knappen Spendenmittel dort wirken, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
So funktioniert die Urlaubsvermittlung
Die praktische Umsetzung ist ebenso menschlich wie flexibel. Das Team prüft Wünsche, Mobilität und Erreichbarkeit: Gibt es ein Auto? Müssen öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden? Zu welchen Terminen ist eine Unterkunft frei? Auf dieser Basis sucht Auszeit für die Seele passende Wohnungen oder Ferienhäuser und fragt mit dem Wunschtermin an. Die Auswahl ist über Jahre gewachsen, getragen von Vermieterinnen und Vermietern, die mit großem Herzen agieren. Manche melden sich nach Presseberichten, andere über persönliche Kontakte. Ein Vermieter aus Essen etwa stellt regelmäßig seine Wohnung in Carolinensiel zur Verfügung – ein Beispiel für verlässliche Partnerschaften, die die Arbeit des Vereins erst möglich machen. Wichtig ist dem Team, dass Patientinnen und Patienten nach Möglichkeit mit einer Begleitperson reisen. Medizinische Notfälle können überall auftreten, und eine vertraute Unterstützung schafft Sicherheit.
Öffentlichkeitsarbeit mit Herz: Von Fahrradtouren bis Feuerwehr-Challenges
Bekannt wurde Auszeit für die Seele durch Aktionen, die Aufmerksamkeit in echte Unterstützung verwandeln. Anfangs fuhr das Team mit „Opa Hans“ auf dem Fahrrad quer durch Deutschland – von Kiel nach Berlin, später von Kiel nach München. Besuche bei Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, in Kliniken und bei Lokalredaktionen brachten Berichte, die gleich doppelt wirken: Betroffene lesen und melden sich, Vermieterinnen und Vermieter lesen und bieten Wohnungen an. Vor der Pandemie organisierte der Verein eine Feuerwehr-Challenge, die große Resonanz erzielte. Diese Öffentlichkeitsarbeit ist Multiplikator und Lebensader: Je mehr Menschen erfahren, dass es die Hilfe gibt, desto mehr Erholungsaufenthalte gelingen.
Dankbarkeit als Energiequelle – und die sachliche Seite der Kosten
Die Rückmeldungen der Familien sind bewegend. Postkarten, E-Mails und Anrufe erzählen davon, wie ein paar Tage am Meer oder in den Bergen wieder Luft zum Atmen schaffen. Für Annemarie Hunecke ist diese Dankbarkeit Antrieb – und zugleich bleibt sie professionell. Sie hört zu, sie weint mit, sie kann die Geschichten einordnen, ohne sie in den Alltag zu tragen. Ihre eigene Brustkrebs-Erfahrung schafft Resonanzraum und Verständnis. Aus der Nähe zum Thema entsteht auch Klartext: Der Verein braucht Geld. Broschüren kosten Porto, der Siebensitzer-Kombi für Abholfahrten fährt nicht mit Wasser, und Zwischenreinigungen in Unterkünften sind ebenso zu finanzieren wie Verwaltung und Organisation. „Ohne Moos nix los“ – mit dieser bodenständigen Ehrlichkeit wirbt der Verein um Spenden und kreative Aktionen.
„Ein Brot mit Herz“ und der Blick nach vorn
Eine solche Aktion ist „Ein Brot mit Herz“. Bäckereien wählen ein Brot aus dem Sortiment, versehen es mit einer Banderole und spenden pro verkauftem Laib 0,25 Euro an den Verein. Begleitendes Infomaterial regt Gespräche an und macht aus Kaufmomenten kleine Solidaritätsbeweise. Im größeren Horizont wünscht sich das Team vor allem eines: Unterstützung. Die Arbeit stemmen im Kern zwei Menschen. Organisation, Vermittlung, Gespräche, Netzwerkpflege – all das lässt sich mit weiteren helfenden Händen besser tragen. Wer eine Ferienwohnung hat, kann sie zeitweise zur Verfügung stellen. Wer strukturell helfen möchte, kann in die Organisation einsteigen. Und wer langfristig denkt, hört eine klare Bitte: Bis zum zehnjährigen Jubiläum 2027 soll ein Nachfolgerteam aufgebaut werden, damit diese Form der Hilfe auch dann weiterlebt, wenn die Gründer wirklich in Rente gehen.
Einladung, Zusammenfassung und Deine Möglichkeiten
Wir von „Trude Kuh“ haben Dich heute mitgenommen in eine Geschichte, die mitten ins Herz zielt und zugleich höchst praktisch ist: Auszeit für die Seele vermittelt seit 2017 kostenlose oder stark vergünstigte Urlaubswochen für Menschen mit Krebs und ihre Familien, damit sie Kraft schöpfen können. Du hast gehört, wie Annemarie Hunecke und Reinhard Göddemeyer die Idee aus persönlicher Erfahrung und einer Inspiration aus Israel in Ostfriesland verwurzelt haben, wie die Vermittlung funktioniert – von der E-Mail mit Diagnose- und Grundsicherungsnachweis bis zur passgenauen Unterkunft –, warum Begleitpersonen wichtig sind, und wie Aktionen wie Fahrradtouren, Lokalpressenetzwerke und „Ein Brot mit Herz“ die Hilfe bekannter machen. Wenn Du einen Verein vorstellen willst oder als Unternehmen Werbemöglichkeiten suchst, melde Dich gern bei uns: Wir von „Trude Kuh“ erreichen über 14,5 Mio. Kontakte im Monat und bieten Dir im TV-Studio starke Reichweite für Geschichten, Projekte und Marken. Schau auf „Trude Kuh“ vorbei, entdecke unser TV-Studio von „Trude Kuh“, nutze die Chance, Deinen Verein im Interview vorzustellen, oder informiere Dich über unsere Werbemöglichkeiten für Unternehmen – wenn Du Menschen bewegen willst, wenn Du Sichtbarkeit brauchst, wenn Du Deine Initiative oder Dein Business groß rausbringen möchtest, dann lass uns sprechen und gemeinsam dafür sorgen, dass aus guten Ideen echte Wirkung wird.


