Autismus – einfach anders aus Oberhausen zu Gast bei „Trude Kuh“

Die Lichter eines Supermarkts, das Drängen einer Menschenmenge, die knallende Euphorie eines Silvesterfeuerwerks – für viele sind das Kleinigkeiten des Alltags, bunte Kulisse und pulsierendes Leben. Für Menschen im Autismus-Spektrum können genau diese Reize jedoch zu einer überwältigenden Bürde werden: jedes Geräusch ein Schlag, jedes Flackern ein Sturm, jede Bewegung eine Herausforderung. Dort, wo andere mühelos gleiten, bedeutet Teilhabe oft Kraftakt und präzise Planung. Hier setzt der Verein Autismus – einfach anders aus Oberhausen an und baut Brücken aus Verständnis, Struktur und Schutzräumen – für Betroffene ebenso wie für Angehörige. Live zugeschaltet berichtet die Vereinsvorsitzende Silvia Prochnau, warum „nicht normalisieren, sondern stärken“ ihr Motto ist, und wie Selbsthilfegruppen, Workshops und Fachtage kleine Schritte zu großen Erfolgen machen. Das Gespräch führte Redaktionsleiter Georg Mahn in den Studios von „Trude Kuh“.

Was Autismus ist – und was er nicht ist

Silvia Prochnau räumt direkt mit Mythen auf. Autismus ist nicht die Filmfigur Rain Man, und Autistinnen und Autisten sind nicht gefühlskalt – das Gegenteil ist oft der Fall. Viele empfinden sehr viel, sind geräusch- und lichtempfindlich, nehmen Schwingungen und Stimmungen anderer intensiv wahr und können diese schwer von den eigenen Gefühlen trennen. Hinzu kommen Besonderheiten im Sprachverständnis: Wörtliches Verstehen kann zu Missverständnissen führen, sachliche Aussagen ecken im Alltag mitunter an. Vor allem aber gilt: Autismus ist so individuell wie die Menschen selbst. Jeder Mensch im Spektrum hat andere Wahrnehmungen, Stärken und Herausforderungen. Deshalb setzt der Verein auf differenzierte Aufklärung – nicht in einem Satz, sondern in zielgenauen Seminaren, Workshops und Gesprächsformaten, die das Begreifen erleichtern, ohne zu vereinfachen.

Unsichtbare Behinderung sichtbar machen

Inklusion lebt von guter Kommunikation und von Offenheit – doch Unsichtbares bleibt oft unbemerkt. Während bei einer sichtbaren Beeinträchtigung rasch klar ist, welcher Zugang und welches Hilfsmittel gebraucht werden, erfordert Autismus viel Erklärung und Geduld: am Arbeitsplatz, in der Schule, im öffentlichen Raum. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Kolleginnen und Kollegen sowie die Umgebung profitieren von Klarheit in Aufgaben, ruhigen Arbeitsplätzen, Gehörschutz oder angepassten Abläufen. Prochnau beschreibt die tägliche Überzeugungsarbeit: viele Gespräche, viel Kraft – mit spürbaren Fortschritten, wenn Verständnis wächst und Unterstützung bereitsteht. Genau hier leistet Autismus – einfach anders kontinuierliche Arbeit, indem Wissen vermittelt und praktische Lösungen greifbar werden.

Gruppen, die tragen: Austausch, Stärkung, Zugehörigkeit

Herzstück der Vereinsarbeit sind die Selbsthilfegruppen. „Endlich bin ich wieder unter normalen Leuten“, ist ein Satz, den Silvia Prochnau häufig hört – normal im Sinne von „nicht erklären müssen, nicht rechtfertigen müssen“. Der Verein bietet spezifische Gruppen: nur für Erwachsene, nur für Angehörige, gemischte Formate und seit Oktober auch eine Online-Gruppe für Männer. Frauen bringen eigene Themen mit, maskieren und kompensieren oft länger, was andere Problemlagen erzeugen kann. Männer sprechen lieber in geschützter Runde über Beziehung und Alltag. Allen gemeinsam: die Erfahrung, verstanden zu werden, Tipps zu teilen, Hürden zu benennen und Lösungen zu finden. Aus zwei Gruppen wurden inzwischen 17, bald 18 – ein Zeichen für Bedarf, Vertrauen und Wirksamkeit.

Alltagshürden: Planänderungen, Einkauf und stille Stunde

Was im Alltag für die meisten machbar wirkt, kann für Autistinnen und Autisten zum Stressfaktor werden – etwa Planänderungen. Fällt der Bus aus, gleicht die notwendige Umorganisation einem inneren Alarm. Der Gang in den Supermarkt ist oft ein Reiz-Feldzug: Licht, Musik, Menschen, Angebote, visuelle und akustische Signale. Viele gehen daher sehr früh oder spät einkaufen, bestellen online oder bitten um Hilfe. Der Verein propagiert die „stille Stunde“ im Handel: eine ruhige Einkaufszeit mit reduzierten Reizen. Sie ist für neurodiverse Menschen keine Nettigkeit, sondern ein Weg zur echten Teilhabe. Dass dieses Bedürfnis vielen Einrichtungen noch nicht bewusst ist, unterstreicht den Aufklärungsauftrag.

Angehörige an Bord holen: Wissen, Austausch, Lachen

Autismus betrifft immer auch das Umfeld: Partnerinnen und Partner, Eltern, Geschwister, Freundeskreise. Der Verein baut Brücken durch niedrigschwellige Gruppenangebote, in denen Informationen fließen und Erfahrungen geteilt werden. Dort wird nicht gejammert, sondern gelernt, gelacht und entlastet. Humor hat Platz, genauso wie schwierige Situationen. So entstehen tragfähige Bilder von Autismus, die nicht schrecken, sondern Handlungssicherheit geben: Grenzen respektieren, Ressourcen nutzen, gemeinsam Strategien entwickeln. Öffentlichkeitsarbeit ergänzt die Gruppenarbeit: Ob Beirat für Menschen mit Behinderung, Arbeitskreis Inklusion, Bündnis Seelische Gesundheit oder Veranstaltungen mit der Volkshochschule Oberhausen – Autismus – einfach anders bringt das Thema stetig und praxisnah in die Stadtgesellschaft.

Sichtbarkeit, Wertschätzung und Meilensteine

Die Resonanz auf das Engagement ist spürbar: Ein Fachtag im Ebertbad, ein Kinotag in der Lichtburg nur für den Verein – ohne Schlange, leise und strukturiert – und im April die Verleihung des Rheinlandtalers für das ehrenamtliche Wirken. Solche Momente schaffen Sichtbarkeit und Anerkennung. Gleichzeitig bleibt die Arbeit geerdet: Der Verein ist seit 2016 aktiv, handelt ehrenamtlich, verkauft nichts, bietet keine Therapien und lebt von Menschen, die mit dem Herzen dabei sind. Damit Selbsthilfegruppen, Fachtage und Aufklärungsarbeit weiter wachsen, braucht es finanzielle Unterstützung. Der Wunsch für die kommenden Jahre ist klar: mehr Bekanntheit für Autismus, mehr Verständnis für unsichtbare Behinderungen, stabile Finanzierung und weiterhin das sichere Gefühl, dass kleine Schritte zu großen Fortschritten führen.

Deine Einladung: Mitmachen, vorstellen, werben – bei „Trude Kuh“

Wir von „Trude Kuh“ haben in unserem TV-Studio mit Silvia Prochnau vom Verein Autismus – einfach anders gezeigt, wie Alltag für Menschen im Autismus-Spektrum aussieht, warum Selbsthilfegruppen tragen, wieso die „stille Stunde“ im Handel echte Teilhabe ermöglicht und weshalb Aufklärung in Oberhausen vom Beirat bis zur Volkshochschule wirkt; wenn Du Deinen Verein, Dein Engagement oder Dein Projekt vorstellen möchtest, melde Dich bei uns – wir laden Dich gern ins „Trude Kuh“ Format ein und zeigen Dir unser TV-Studio von „Trude Kuh“, in dem wir jeden Monat über 14,5 Mio. Kontakte erreichen und damit eine starke Bühne für Sichtbarkeit bieten, sodass Du zugleich Deinen Verein im Interview präsentieren und Unternehmen professionell ansprechen kannst; wenn Du als Verein ins Rampenlicht willst, nutze unsere Möglichkeit „Verein im Interview vorstellen“ und wenn Du als Unternehmen Reichweite und Imageaufbau suchst, findest Du bei uns starke Werbemöglichkeiten für Unternehmen, wir fassen die wichtigsten Punkte aus dem Interview gern noch einmal für Dich zusammen: Autismus ist vielfältig und unsichtbar, Selbsthilfegruppen stärken Betroffene und Angehörige, Struktur und Ruhe schaffen Zugänge, Öffentlichkeitsarbeit baut Brücken und Auszeichnungen wie der Rheinlandtaler würdigen Engagement – wenn auch Du ein Thema hast, das gesehen werden soll, komm zu uns ins TV-Studio von „Trude Kuh“, wir unterstützen Dich dabei, Deine Geschichte zu erzählen und die passende Zielgruppe zu erreichen.