Wenn eine Stadt pulsiert, trägt oft jemand die Last im Schatten ihrer Fortschrittsträume. Ende des 19. Jahrhunderts, als Bremen wuchs, der Hafen brummte und Kutschen die Straßen füllten, waren es Pferde, die die Stadt buchstäblich bewegten – bis an die Grenze des Erträglichen. Aus dieser Zumutung entstand ein Bewusstsein: Tierschutz als Aufgabe für die Gesellschaft. Im November 1894 trafen sich knapp 50 Tierfreunde im Konventssaal des Künstlervereins Bremen und gründeten den Bremer Tierschutzverein. Mehr als ein Jahrhundert später ist aus dieser Idee eine Institution geworden, die nicht nur Tiere vermittelt und pflegt, sondern Verantwortung erklärt und den Blick dafür schärft, wie Menschen und Tiere in einer modernen Stadt respektvoll zusammenleben. Über diese Arbeit und die Herausforderungen der Gegenwart sprachen in den „Trude Kuh“ TV-Studios die Öffentlichkeitsreferentin Merle Oßmer und die Kinder- und Jugendreferentin Maria Isabel Bode – moderiert von Redaktionsleiter Georg Mahn.
Vom Kindheitsherz zum Beruf: Engagement mit langer Geschichte
Für Merle Oßmer beginnt Tierschutz dort, wo Nähe zu Tieren selbstverständlich ist. Ihre ersten Haustiere – zwei Meerschweinchen – kamen aus dem Bremer Tierheim. Es folgten Praktika, Engagement in einer anderen Stadt während des Studiums und schließlich der berufliche Weg zurück nach Bremen, inklusive eines Hundes aus dem Tierheim. Der Weg klingt fast wie ein Naturgesetz: Wer früh erfährt, was Tiere brauchen, bleibt dabei. Bei Maria Isabel Bode, die als Kinder- und Jugendreferentin arbeitet und oft als Marisa angesprochen wird, ist es das, was Tiere Menschen geben: bedingungslose Zuwendung, Präsenz im Hier und Jetzt, ein ehrlicher Blick ohne Worte. Gerade diese Qualitäten tragen die Arbeit in die Breite der Gesellschaft, zu Kindern, Jugendlichen und Seniorengruppen, die das Tierheim besuchen, staunen und den Alltag einer großen Tierschutzanlage begreifen.
Aufnahmestopp und Realität im Tierheim: Zahlen mit Gewicht
Die Gegenwart ist anspruchsvoll. Der Bremer Tierschutzverein musste einen Aufnahmestopp verhängen, denn die Kapazitäten sind ausgereizt. Etwa 60 Hunde und über 300 Katzen werden derzeit versorgt, dazu eine beeindruckende Zahl an Wildtieren – rund 730 – sowie über 400 Stadttauben. Viele Tiere sind für Besucher nicht sichtbar, weil sie in Quarantänebereichen untergebracht sind. Genau dort zeigt sich die Kraft der Einrichtung: mehrere Quarantänestationen für Katzen, Vermittlungsbereiche für Haus- und Wildkatzen, Bereiche für Halbwilde und Freigänger, Zwinger für Hunde, Räume für Kleintiere, darunter vor allem Kaninchen und Meerschweinchen, und eine Voliere für Ziertauben wie sogenannte Hochzeitstauben, die in der Natur nicht überleben könnten. Dazu kommen zwei Ziegenböcke, Minischweine, Hühner und eine Exotenstation, in der unter anderem Schlangen, Schildkröten und Vogelspinnen untergebracht sind. Manche Tiere gelangen nach Sicherstellungen ins Tierheim, andere nach Todesfällen ihrer Besitzer, wieder andere werden ausgesetzt oder laufen schlicht weg.
Stadttauben und Stadtgesellschaft: ein menschengemachtes Problem
Die große Zahl an Stadttauben hat eine gemeinsame Wurzel: Tauben waren einst Haustiere, wurden dann sich selbst überlassen, fanden keine Akzeptanz in der Stadt und leben häufig verletzt, unterversorgt und vertrieben. Aus dem menschlichen Handeln entsteht ein tierisches Leid, das sich zeigt – vom Mangel an Nahrung über Verletzungen bis hin zum offensiven Vertreiben. Der Bremer Tierschutzverein nimmt Tauben auf, pflegt sie gesund und entlässt sie, wenn möglich, in einen eigenen Schwarm. So bekommt ein ungeliebtes Stadttier Raum, Struktur und die Chance auf ein Leben, das seinem Wesen gerecht wird.
Bildung, Verantwortung und die Frage, was ein Tier wirklich braucht
Die Jugendprojekte des Vereins stehen unter dem Motto „Tiere brauchen Menschen. Kinder brauchen Tiere.“ Schulklassen besuchen die Einrichtung, der Verein geht auch selbst in Schulen. Die Erfahrung ist oft die gleiche: Staunen, Emotion, Fragen. Dahinter liegen harte Inhalte. Was bedeutet Tierschutz? Warum landen Tiere im Tierheim? Woran erkennt man Qualzucht, und welche Konsequenzen hat sie? Kinder und Jugendliche lernen, dass Tierhaltung Verantwortung ist – zu Zeit, Platz, Geld und Wissen. Nicht jede Familie kann ein Tier aufnehmen, und ein klares Nein kann fair sein, wenn die Lebensumstände es nicht zulassen. Der Verein vermittelt, dass jede Entscheidung Folgen hat: Tiere, die falsch angeschafft wurden, landen in Einrichtungen wie dem Tierheim; Tiere aus Qualzuchten bringen hohe Tierarztkosten und viel Leid; falsch gewählte Rassen – etwa Herdenschutzhunde in Stadtwohnungen – führen zu Konflikten, die am Ende Tiere treffen.
Training und Teamarbeit: wie Verhalten wieder ins Gleichgewicht kommt
Viele Tiere spiegeln das Umfeld, aus dem sie kommen. Gerade bei Hunden zeigen sich Verhaltensauffälligkeiten, die aus problematischen Lebenssituationen stammen. Der Verein arbeitet mit eigenen, ehrenamtlichen Hundetrainerinnen, die sich mit den Pflegerinnen und der tierheimleitenden Hundetrainerin abstimmen. Ziel ist, Verhalten zu verstehen und so zu verändern, dass die Tiere wieder in ein stabiles Zuhause vermittelt werden können. Eine frühere Initiative, auch mit ehemaligen Tierheimhunden weiter zu trainieren, soll wiederbelebt werden – die alltägliche Arbeitslast macht den Weg dorthin anspruchsvoll, aber der Plan steht.
Die neue Bequemlichkeit und ihre Folgen: Abgeben als Normalität?
Nach Einschätzung der Mitarbeitenden hat sich die Haltung vieler Menschen gegenüber dem Abgeben von Tieren verändert. Während früher Tränen, Scham und echte Not hinter einer Abgabe standen, wächst heute die Zahl der Fälle, in denen Tiere „nicht mehr passen“ oder „nicht mehr gewollt“ sind. Die einfachen Beschaffungswege über Kleinanzeigen und ungeregelten Auslandstierschutz verstärken das Problem: Hunde kommen ohne Vorbereitung nach Deutschland und landen mitunter nach zwei Tagen im Tierheim. Parallel blühen digitale Schwarzmärkte – ein Mix aus Naivität, Gier und Unwissenheit, der Tiere zu Leidtragenden macht.
Politische Stimme und öffentlicher Raum: Tieren eine Stimme geben
„Tieren eine Stimme geben“ ist nicht nur ein Motto, sondern eine Haltung. Der Bremer Tierschutzverein steht seit Jahrzehnten für klare Positionen: gegen Tierversuche an der Bremer Universität, gegen Pelz und für mehr Verantwortung im städtischen Umgang mit Wildtieren. Das Thema Tierversuche bleibt aktuell, die Debatten um Primatenversuche reißen nicht ab. Ebenso setzt sich der Verein dafür ein, eine Wildtierstation in Bremen zu etablieren – Prozesse, die Zeit brauchen und Beharrlichkeit erfordern. Sichtbarkeit schafft der Aktionstag „Tierleidfreies Bremen“, der am 10.06.2026 auf dem Bremer Marktplatz stattfand: Ein Zusammenschluss verschiedener Vereine von Meer bis Land, von Tauben bis Igeln, der zeigt, dass Tierschutz weit über die Haustierwelt hinausreicht. Es sind unbequeme Themen, die weniger Lobby haben – Nutztiere in Schlachthäusern, Versuchstiere im Labor – und genau dort will der Verein in die Öffentlichkeit wirken.
Trauern, gedenken, verbunden bleiben: der Bremer Tierfriedhof
Seit 2001 betreibt der Bremer Tierschutzverein den Bremer Tierfriedhof und schafft damit einen Ort für Trauer und Erinnerung, der rechtlich wie emotional wichtig ist. Die private Beisetzung im Garten ist meist nicht erlaubt; der Friedhof bietet eine würdige Alternative. Viele Menschen halten dort seit Jahrzehnten Gräber, die zu Orten der Verbundenheit werden. Der Friedhof zeigt, was die Bindung zwischen Mensch und Tier bedeutet: Trauerarbeit als Teil der Liebe, die nicht endet, wenn ein Leben endet.
Ehrenamt und Finanzierung: warum Unterstützung so entscheidend ist
Ohne Ehrenamt geht es nicht. Über 200 engagierte Menschen helfen in der Tierpflege, auf dem Gelände, bei Veranstaltungen oder backen Kuchen für Aktionen. Es gibt eine Ehrenamtsliste für spontane Einsätze, bei denen kurzfristig Unterstützung organisiert wird. Gleichzeitig braucht die Einrichtung Spenden, um den laufenden Betrieb zu tragen – über eine Million Euro pro Jahr. Das Tierheim, seine Tiere, seine Angebote und seine politische Arbeit sind nur möglich, wenn viele Schultern mittragen. Diese gewachsene Struktur ist Resilienz in Aktion.
Deine Einladung: Besuchen, mitmachen, vorstellen – und gemeinsam Werbung denken
Wir von „Trude Kuh“ laden Dich ein: Wenn Du Dich für den Bremer Tierschutzverein interessierst, wenn Dich der Weg vom historischen Anliegen bis zu den aktuellen Herausforderungen berührt hat und Du wissen willst, wie Vermittlung, Jugendbildung, Stadttaubenmanagement, Hundetraining und politischer Einsatz zusammenspielen, dann schau Dich gerne bei uns um. Auf unserer Website „Trude Kuh“ findest Du kompakte Infos zu unseren Formaten, und im TV-Studio von „Trude Kuh“ erlebst Du die Gespräche da, wo sie entstehen. Wir fassen für Dich die wichtigsten Punkte des Interviews zusammen: Der Bremer Tierschutzverein ist aus der Stadtgeschichte erwachsen und gehört heute zu den zentralen Akteuren im Tierschutz mit einem breiten Tierbestand, einer starken Jugend- und Bildungsarbeit, klaren politischen Positionen und enormem ehrenamtlichen Rückhalt. Das Tierheim in Bremen arbeitet am Limit, benötigt Unterstützung und klärt über Verantwortung und die Folgen von falschen Entscheidungen auf; es bietet zugleich Orte der Würde wie den Tierfriedhof. Wenn Du mit Deinem Verein einen Platz im Gespräch suchst, dann nutze unsere Möglichkeit, Deinen Verein im Interview vorzustellen – wir freuen uns auf Dich im Studio. Und wenn Du als Unternehmen Deine Botschaft wirksam platzieren willst: „Trude Kuh“ erzielt über 14,5 Mio. Kontakte im Monat und bietet vielfältige Werbemöglichkeiten für Unternehmen, damit Deine Kampagne sichtbar wird. Wir von „Trude Kuh“ geben Themen eine Bühne, erzählen Geschichten mit Haltung und Herz – wenn auch Du Deinen Verein vorstellen oder Deine Marke zielgenau ins Bild setzen willst, dann melde Dich und komm vorbei ins TV-Studio, wir freuen uns auf Dich.


