Im TV-Studio von „Trude Kuh“ wird heute über Leben und Hoffnung gesprochen – und über die ganz besonderen Herausforderungen, die Kinder und ihre Familien durchleben, wenn ein Organ dringend gebraucht wird. Redaktionsleiter Georg Mahn begrüßt Sandra Lindert und Thorsten Wittmann vom Verein Transplant Kids aus Wiesmoor, die mit bewegenden Geschichten und viel Herzblut Einblicke in ihre Arbeit und ihr Leben geben.
Wenn das Warten auf ein Organ das Leben bestimmt
Für Erwachsene ist eine Organspende oft ein Einschnitt, für Kinder bedeutet sie meist die Chance auf das erste richtige Leben. Rund 220 Kinder und Jugendliche warten bundesweit auf ein Spenderorgan – eine Zahl, die nicht nur betroffen macht, sondern auch zeigt, wie dringend aktive Hilfe gebraucht wird. Sandra Lindert berichtet, wie das Thema Transplantation ihr Leben geprägt hat: Ihre Tochter Wiebke, ein Extremfrühchen, wurde 2013 doppelt an der Lunge transplantiert. Die Diagnose kam früh, die Hoffnung auf ein passendes Organ war lange Zeit ein ständiger Begleiter. Die Familie lebte im Ausnahmezustand, immer bereit für den erlösenden Anruf.
Auch Thorsten Wittmann kennt diese Situation nur zu gut. Sein Sohn Arne war gerade zwei Jahre alt, als klar wurde, dass ein neues Herz gebraucht wird. Die Familie pendelte zwischen Krankenhaus und Alltag, immer mit der Unsicherheit im Gepäck. Die psychische Belastung ist enorm – das Warten, die Angst, die Hoffnung. „Man funktioniert einfach, bis der Anruf kommt“, beschreibt Sandra die Zeit auf der Warteliste. Ein spezielles Handy lag immer griffbereit, die Tasche war gepackt, und als es endlich losging, war die Freude groß – auch wenn die Realität oft anders aussieht, als man es sich vorstellt.
Der Alltag nach der Transplantation: Anders krank, aber voller Hoffnung
Eine Transplantation ist kein Schlussstrich, sondern der Beginn eines neuen, oft herausfordernden Lebensabschnitts. Die Kinder müssen regelmäßig Medikamente nehmen, damit das neue Organ nicht abgestoßen wird, und Vorsorgeuntersuchungen gehören zum Alltag. Sandra bringt es auf den Punkt: „Man ist nicht gesund, sondern einfach nur anders krank.“ Viele Dinge, die für Gleichaltrige selbstverständlich sind, bleiben für die kleinen Patienten schwierig – Klassenfahrten etwa, weil Lehrkräfte die Medikamentengabe oft nicht übernehmen dürfen. Die Belastung bleibt, auch wenn die Freude über das neue Organ groß ist.
Trotz aller Herausforderungen gibt es auch viele Lichtblicke. Der Verein Transplant Kids bietet mit seinen Camps – wie dem Segelcamp und dem Familiencamp – nicht nur Abwechslung, sondern auch einen Ort des Austauschs und der Normalität. Hier müssen sich die Familien nicht erklären, jeder weiß Bescheid. Es wird gemeinsam gelacht, gegrillt und über ganz normale Dinge gesprochen. Die Vereinsförderung von „Trude Kuh“ unterstützt solche Projekte, doch der Großteil der Finanzierung kommt aus Spenden. Die Camps sind teuer, die Krankenkassenförderung reicht oft nicht aus – und so ist der Verein auf die Unterstützung der Öffentlichkeit angewiesen.
Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung: Für mehr Organspenden und Verständnis
Transplant Kids ist nicht nur für die betroffenen Familien da, sondern geht auch aktiv in die Öffentlichkeit. Mit Infoständen, Glücksrad, Popcorn und Zuckerwatte – und ganz viel Herz – klären Sandra und Thorsten über Organspende auf. Sie begegnen dabei vielen Fragen und auch Vorurteilen: Manche glauben, sie seien zu alt für eine Spende, andere sind grundsätzlich dagegen. Für den Verein ist wichtig, dass sich jeder mit dem Thema auseinandersetzt – ob dafür oder dagegen. Überzeugen wollen sie nicht, sondern aufklären und informieren.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind dabei nicht immer einfach. In Deutschland gilt die Zustimmungsregelung, während in vielen europäischen Ländern die Widerspruchslösung greift. Wer im Ausland ohne Organspendeausweis verstirbt, ist oft automatisch Spender. Das sorgt für Unsicherheit und zeigt, wie wichtig Aufklärung ist. Die Arbeit von Transplant Kids ist daher nicht nur medizinisch und sozial, sondern auch politisch und gesellschaftlich relevant.
Die Vereinsförderung von „Trude Kuh“ bietet Möglichkeiten, Projekte wie das Segelcamp zu unterstützen.
Zukunftspläne und der Blick nach vorn
Die Arbeit von Transplant Kids geht weiter – mit neuen Camps, Projekten und viel Engagement. Besonders das maritime Segelcamp liegt Sandra am Herzen, und auch für junge Erwachsene, die aus der Kinderklinik herauswachsen, soll es künftig eigene Angebote geben. Die Betreuung der ganzen Familie, inklusive der oft vergessenen Geschwister, bleibt ein zentraler Bestandteil. Thorsten bringt es auf den Punkt: „Der Verein hat uns so viel gegeben, das möchten wir jetzt auch anderen ermöglichen.“
Am Ende bleibt die Botschaft: Organspende rettet Leben, und die Arbeit von Transplant Kids schenkt Hoffnung, Gemeinschaft und ein Stück Normalität. Wer helfen möchte, kann sich informieren, spenden oder einfach das Gespräch suchen – denn jedes Engagement zählt.
Weitere Informationen zur „Trude Kuh“ Vereinsförderung und zu Transplant Kids gibt es online.