Brigitte Siebum und Stefanie Hupens vom AWO-Kreisverband Cloppenburg zu Gast bei „Trude Kuh“

Wenn das Leben zu laut wird und die Sorgen zu eng, braucht es Orte, an denen die Luft wieder reicht. Dort, wo Anträge nicht nach Formular, sondern nach Menschen sortiert werden. Wo ein erschöpftes „Ich weiß nicht mehr weiter“ als Anfang gilt – nicht als Ende. Genau so ein Ort ist der AWO-Kreisverband Cloppenburg. In den „Trude Kuh“ TV-Studios sprachen Geschäftsstellenleiterin Brigitte Siebum und Schuldnerberaterin Stefanie Hupens über stille Heldentaten an der Basis, lange Wartelisten für Kuren, Schuldenlawinen zwischen Null-Prozent-Finanzierungen und Hauskrediten – und über Werte, die man nicht an Wänden plakatiert, sondern täglich vorlebt. Moderiert wurde das Gespräch von Redaktionsleiter Georg Mahn.

Beratung, die ankommt: Von Mütterkuren bis Sozialfragen

Die AWO, gegründet 1919 von der Sozialreformerin und Frauenrechtlerin Marie Juchacz, ist ein Schwergewicht der Wohlfahrt – und zugleich leise genug, um Probleme dort zu lösen, wo sie entstehen. Der Kreisverband Cloppenburg ist eine reine Beratungsstelle für den gesamten Landkreis. Was an der Eingangstür nach „alles, was ein Problem hat“ klingt, wird dahinter zu strukturierter Hilfe: Schuldner- und Insolvenzberatung, Vermittlung von Kuren des Müttergenesungswerks, Senioren- und Pflegeberatung, allgemeine Sozialberatung. Wer kommt, bekommt Orientierung – und oft gleich mehrere Fäden in die Hand, um sein Leben Schritt für Schritt wieder zu ordnen.

Gerade die Mütter- und Mutter-Kind-Kuren stehen sinnbildlich für die Überforderung vieler Familien. Ärztlich verordnete Auszeiten werden schneller bewilligt, doch seltener ermöglicht: Kurhäuser sind ausgelastet, Kapazitäten knapp, die Belegung rutscht bis Ende 2026 oder 2027. Besonders schwierig ist die Unterbringung von Müttern mit nur einem Kind, weil viele Häuser auf Mehrbettkonstellationen optimiert wurden. Die Botschaft bleibt dennoch klar: Wer an den Punkt kommt, eine Kur zu brauchen, braucht sie wirklich – und hat Anspruch darauf, ernst genommen zu werden.

Schuldnerberatung: Wenn Scham schweigt und Zahlen sprechen

In der Schuldnerberatung zeigt sich der gesellschaftliche Druck wie unter einem Brennglas. Seit 2017 an Bord, seit 2022 in der Beratung – Stefanie Hupens sieht wachsenden Zulauf: junge Menschen ohne finanzielle Grundbildung, verführt von „Kaufe jetzt, zahle später“; Familien, deren Hausfinanzierung bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit ins Kippen gerät; Ältere, deren Rente nicht reicht. Nach den Sparjahren der Pandemie sind Rücklagen vieler Haushalte erschöpft, die Preiswellen der Krisen schlagen durch. Wenn Rechnungen sich stapeln, kippt oft auch die Beziehung: Schulden belasten Partnerschaften, Vertrauen und Selbstwert. Viele kommen spät – zu spät. Dabei wäre Prävention das Gebot der Stunde: Schuldnerberatung nicht als letzte Rettung denken, sondern als frühe Navigation.

Wenn Privatinsolvenz unausweichlich wird, ist der Tiefpunkt meist schon fühlbar. Tränen sind häufige Gäste am Beratungstisch, Scham noch häufiger. Das Team in Cloppenburg begegnet dem mit einer Mischung aus Professionalität und Menschlichkeit: Klarheit, Struktur, Empathie – und dem Versprechen, auch dann Lösungen zu suchen, wenn der Weg gerade nicht sichtbar ist.

Pflege, Senioren, Vorsorge: Orientierung im Dschungel der Möglichkeiten

Pflegegrad, Befreiungen, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung – die Seniorenberatung fängt dort an, wo Informationsfluten überfordern. Oft genügt ein TV-Beitrag am Abend, und am nächsten Morgen klingeln die Telefone. Der Kreisverband hilft beim Stellen von Pflegeanträgen, sortiert Ansprüche, vermittelt an Pflegestützpunkte oder Dienste, wenn es über die eigene Kompetenz hinausgeht. Das Entscheidende bleibt: Niemand soll mit komplexen Formularwelten allein gelassen werden – erst recht nicht in Zeiten, in denen Wartezeiten für Therapieplätze lang und Eigeninitiativen wegen Erschöpfung schwer sind.

Ehrenamt unter Druck: Weniger Zeit, mehr Regeln, schwindende Empathie

Früher betreuten Dutzende Ehrenamtliche Ortsvereine mit Kaffee-Nachmittagen, Ausflügen, Vorträgen. Heute ist im Landkreis ein aktiver Stützpunkt geblieben – getragen von zwei Engagierten. Warum? Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, sinkt. Gleichzeitig ist Ehrenamt stärker reguliert, Fehlerängste wachsen. Dazu kommt eine Gesellschaft, in der das Wohnmobil lockt und die Ellbogen spitzer werden. Empathie lässt nach, sagen Siebum und Hupens – nicht bei allen, aber spürbar. Dieser Trend erhöht den Druck auf Hauptamtliche und verstärkt das Gefühl, zu wenig Hände für zu viele Aufgaben zu haben.

Zwischen Ideal und Realität: Finanzen, Netzwerke, Werte

Der Kreisverband arbeitet eigenständig, finanziert sich über projektbezogene Mittel, Mitgliedsbeiträge und Förderungen – die allerdings später im Jahr fließen. Das führte in der Vergangenheit zu Engpässen: Gehälter und Miete im Januar, Bewilligungen im März – in manchen Jahren half nur intern Stunden zu kürzen, ohne die Leistung zu drosseln. Zugleich werden soziale Budgets vielerorts enger, Förderanträge länger und die Bewilligungen seltener. Austausch und Rückhalt bieten die regelmäßigen Treffen mit den anderen Kreisverbänden im Bezirksverband Weser-Ems, doch am Ende zählt die Stabilität vor Ort.

Im Alltag bedeutet das: drei Büros, viele Schnittstellen. Wer wegen Schulden kommt, braucht vielleicht auch Sozialberatung. Wer um Pflege ringt, fragt nach Vollmachten. Wer in der Ehe strauchelt, sucht Gleichstellungsberatung – auch das gehört in Cloppenburg dazu. All das ist gelebte AWO-DNA: die Werte von Marie Juchacz in einer Welt, die sich verändert hat. Der Ton bleibt empathisch, der Blick klar. Zuweilen schmerzhaft klar: Es wird zu viel abgenommen, sagt Siebum, die Eigeninitiative leidet. Hilfe gibt es fast überall – aber Stärke wächst, wenn Menschen auch selbst wieder ins Tun kommen.

Vision Mehrgenerationenhaus: Wo Hilfe Heimat wird

Trotz knapper Ressourcen denkt das Team groß. Stefanie Hupens träumt von einem Mehrgenerationenhaus: ein Ort, an dem Kinder nach der Schule Zeit und Struktur finden, Mütter arbeiten können, Seniorinnen und Senioren Anteil geben und nehmen – eine echte Symbiose von Jung und Alt. Wer mit Großeltern unter einem Dach aufgewachsen ist, weiß, wie viel gegenseitiges Lernen in dieser Nähe steckt. Ein Haus, das Betreuung, Begegnung und Beratung bündelt, wäre für Cloppenburg mehr als nur ein Projekt: Es wäre ein Signal, dass Werte von gestern den Alltag von morgen stärken.

Deine Einladung: Mit „Trude Kuh“ vernetzen, unterstützen, sichtbar werden

Wir von „Trude Kuh“ freuen uns, wenn Du Dich vom AWO-Kreisverband Cloppenburg inspiriert fühlst und Deinen Verein oder Dein Unternehmen sichtbar machen möchtest – melde Dich bei uns, wenn Du Deinen Verein vorstellen willst im TV-Studio von „Trude Kuh“, denn wir erreichen über 14,5 Mio. Kontakte im Monat und bieten damit starke Reichweite sowie vielfältige Formate für Unternehmenswerbung; auf unserer Seite findest Du mehr über uns unter „Trude Kuh“, Eindrücke und Möglichkeiten aus dem TV-Studio von „Trude Kuh“, wie Du Deinen Verein im Interview vorstellen kannst und welche Werbemöglichkeiten für Unternehmen wir bieten – wenn Du also Deine Geschichte erzählen, engagierte Arbeit zeigen oder Dein Angebot zielgenau platzieren willst, dann lass uns sprechen und gemeinsam dafür sorgen, dass die richtigen Menschen Dich finden.