Es gibt Momente, in denen das Leben seine brutalste Seite zeigt: Ein positiver Schwangerschaftstest, der Freude entfacht, eine Bindung, die wächst, ein Name, der bereits gedacht wird – und dann die Stille. Die Stille einer Diagnose, eines Abschieds, einer Trauer, für die es in unserer Gesellschaft kaum Raum gibt. Wer in dieser Situation Halt sucht, braucht mehr als gut gemeinte Worte. Er braucht Menschen, die aushalten, was andere lieber nicht sehen. Genau diese Menschen hat Birgit Rutz um sich versammelt – in einem Verein, der seinen Namen aus dem tiefsten persönlichen Schmerz seiner Gründerin trägt. Redaktionsleiter Georg Mahn empfing sie in den Studios von „Trude Kuh“ zu einem Gespräch, das bewegt, aufklärt und Mut macht.
Wenn Hoffnung zu Abschied wird – die Geschichte hinter Hope´s Angel Foundation
Birgit Rutz ist Gründerin der Hope´s Angel Foundation, einem Verein aus Sankt Augustin im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen, der Familien nach dem Verlust eines Kindes begleitet. Doch ihre Geschichte beginnt nicht mit einem Vereinsgründungsdatum, sondern mit einem Arzttermin, bei dem sie unvorbereitet erfuhr, dass sie eine Fehlgeburt erlitten hatte. Kein Raum für Trauer, keine behutsamen Worte, kein Begleitung – nur die knappe Mitteilung und die Frage, was man nun damit anfängt.
Was folgte, war Schweigen. Erst Jahre später, während einer erneuten risikobehafteten Schwangerschaft und durch einen Traum, der sie aufwühlte, begann die eigentliche Trauerbewältigung. Der Arzt, der ihr damals zur Seite stand, erkannte das Muster und vermittelte ihr eine Psychologin. Es war der erste echte Raum, den sie für ihren Verlust bekam.
Das prägende Erlebnis aber ereignete sich im Jahr 2008, als Birgit Rutz und ihre Familie in San Diego lebten und sie sich von ihrer Tochter Hope verabschieden musste. Auf einem Friedhügel in Kalifornien, bei der Organisation Garden of Innocence, fand sie einen Ort, der das ausdrückte, was sie bis dahin vermisst hatte: einen würdigen Platz für Kinder, die viel zu früh gehen mussten. Sie wurde Vizepräsidentin dieser Organisation, übernahm praktische Aufgaben von der Abholung von Kindern aus der Pathologie bis zur Vorbereitung von Beerdigungen und wurde im San Diego Union Tribune porträtiert. Als die Familie 2015 nach Deutschland zurückkehrte, war ihr Entschluss gereift: Sie wollte auch hier etwas aufbauen. Die Hope´s Angel Foundation entstand.
Trauer braucht Raum – und Gesellschaft braucht Wissen
Rund 220 Fälle begleitet die Hope´s Angel Foundation jährlich, insgesamt erreicht der Verein über 3.000 Menschen. Doch was Birgit Rutz im Gespräch bei „Trude Kuh“ besonders deutlich macht, ist nicht allein die Quantität der Arbeit, sondern die strukturelle Lücke, die sie füllen muss. Krankenhäuser, Hebammen, Gynäkologen und Bestatter – sie alle sind oft überfordert, nicht weil der Wille fehlt, sondern weil die Ausbildung fehlt.
Sätze wie „Sie sind doch noch jung, Sie können wieder schwanger werden“ oder „Sie haben doch schon zwei Kinder“ sind gut gemeint und dennoch falsch. Sie signalisieren Betroffenen, dass ihre Trauer unverhältnismäßig ist – dabei beginnt die Bindung an ein Kind lange vor dem positiven Schwangerschaftstest. Der Test ist, wie Birgit Rutz es treffend formuliert, nur der Punkt auf dem i, der erlaubt, das Gedachte auch laut auszusprechen. Wer trauert, ohne sein Kind wirklich kennenlernen zu dürfen, ohne Stimme, Augenfarbe oder gemeinsame Erinnerungen, trauert um eine Beziehung, die gerade erst entstehen durfte.
Deshalb setzt die Hope´s Angel Foundation auf zwei Säulen: die direkte Begleitung von Familien einerseits und die Fortbildung von Fachkräften andererseits. Birgit Rutz bringt dafür eine umfangreiche Qualifikation mit: Sie ist zertifizierte Sterbebegleiterin, Familien-, Kinder- und Jugendlichen-Trauerbegleiterin sowie Geburts- und Trauerdoula – eine nicht medizinische Begleitperson für Menschen in besonderen Lebensphasen.
Für Fachkräfte ist das Wissen um Grundmuster der Trauer besonders hilfreich. Diese Muster geben Sicherheit, weil sie zeigen, dass Reaktionen auf extremen emotionalen Schmerz nicht willkürlich, sondern nachvollziehbar sind. Die individuelle Ausprägung jedes Trauerprozesses – die Kirsche auf der Sahne, wie Birgit Rutz es nennt – lässt sich dann wesentlich leichter einordnen und begleiten.
Zusammen statt allein – Gedenkfeiern, Workshops und ein Leuchtturm für Familien
Die Arbeit der Hope´s Angel Foundation beschränkt sich nicht auf Beratungsgespräche. Der Verein bietet Waldzeiten, Steinmetz-Workshops, bei denen Eltern eigene Erinnerungssteine oder Grabsteine gestalten können, ein jährliches Familienfest sowie einmal im Jahr im Dezember eine Gedenkfeier mit über 150 Teilnehmenden. Bei dieser Feier werden die Namen aller Kinder laut ausgesprochen – eine Geste, die Familien zeigt: Ihr Kind hat einen festen Platz, auch hier.
Birgit Rutz beschreibt ihren Verein als Leuchtturm. Nicht als jemanden, der mit den Familien untergeht, sondern als jemanden, der standhält. Der das aushält, was kommt. Der die Hoffnung nicht verliert, dass Familien wieder glücklich sein können – und das auch klar sagt: Ja, ihr schafft das.
Dass dabei auch gelacht wird, ist kein Widerspruch. Integration, erklärt Birgit Rutz, bedeutet, dass alles Platz haben darf. Trauer und Freude schließen einander nicht aus. Eltern, die das verstehen, entwickeln sich anders als jene, die ständig das Signal erhalten, sie reagierten nicht normal.
Besonders berührender Beleg für diese Philosophie: Eine Mutter sagte einmal in einer Trauergruppe, jetzt wisse sie endlich, dass sie nicht der einzige Affe im Käfig sei. Dieser Satz, so ungewöhnlich er klingt, fasst zusammen, was Gemeinschaft in der Trauer leisten kann.
Du bist nicht allein – und wir von „Trude Kuh“ stehen an deiner Seite
Wir von „Trude Kuh“ sind sehr bewegt von diesem Gespräch – und froh, dass Birgit Rutz und die Hope´s Angel Foundation den Weg in unser TV-Studio von „Trude Kuh“ gefunden haben. Was Birgit Rutz leistet, verdient Aufmerksamkeit, Respekt und vor allem: Sichtbarkeit. Denn ein Verein, der Familien in einer der verletzlichsten Phasen ihres Lebens begleitet, Fachkräfte ausbildet, Gedenkfeiern organisiert, Erinnerungsräume schafft und gleichzeitig jeden Tag um seine Finanzierung kämpft, braucht genau das, was Öffentlichkeit leisten kann – breite Wahrnehmung und aktive Unterstützung.
Wenn Du selbst einen Verein leitest, der wichtige Arbeit macht und der mehr Sichtbarkeit verdient, dann bist Du herzlich eingeladen: Melde Dich gerne bei uns und stell Deinen Verein im Interview vor. Genau wie Birgit Rutz hast Du die Möglichkeit, Deine Geschichte, Deine Mission und Deine Menschen vor einem großen Publikum zu präsentieren. Wir freuen uns darauf.
Und noch etwas: „Trude Kuh“ erzielt monatlich über 14,5 Millionen Kontakte. Das bedeutet für Unternehmen eine außergewöhnliche Reichweite. Wer als Firma sichtbar werden möchte, gezielt eine engagierte und wachsende Community ansprechen und gleichzeitig gesellschaftlich relevante Inhalte unterstützen möchte, findet bei uns ideale Voraussetzungen. Schau Dir gerne unsere Werbemöglichkeiten für Unternehmen an und entdecke, wie Deine Marke von dieser Reichweite profitieren kann. Wir von „Trude Kuh“ machen Inhalte, die Menschen berühren – und wir machen sie in einer Größenordnung, die für Werbepartner echten Unterschied bedeutet. Wenn auch Du Teil davon sein möchtest, dann freuen wir uns auf Deine Nachricht.


