Wenn die Tür zur Wohnung leiser wird, weil der Alltag sich verändert, kann ein gemeinsamer Nachmittag zu einem Rettungsanker werden. In Horneburg im Landkreis Stade zeigt Methusalem e.V., wie aus einer Skatrunde, einem Spaziergang an der frischen Luft oder einem Ausflug mehr wird als schlichte Freizeitgestaltung: Es entstehen Begegnungen, Verlässlichkeit und das Gefühl, weiterhin Teil des Lebens zu sein. Der Verein versteht Altern nicht als Rückzug, sondern als Einladung zur Aktivität, zum Austausch und zum Mitgestalten – ob beim Sport, im Literaturkreis, beim Kartenspielen oder beim Dialog mit Politik und Verwaltung über Barrierefreiheit und Versorgung vor Ort. Im Gespräch in den Studios von „Trude Kuh“ erzählen der erste Vorsitzende Peter Hoffmann und die zweite Vorsitzende Monika Pagel, warum Gemeinschaft gegen Einsamkeit hilft, wie Engagement die Kommune verändert und weshalb ältere Menschen zugleich neugierig und manchmal politisch unbequem bleiben sollten. Moderator des Gesprächs ist Redaktionsleiter Georg Mahn.
Gemeinsam statt einsam: Der Kern von Methusalem e.V.
„Wir holen die Leute vom Sofa“, bringt Peter Hoffmann das Ziel auf den Punkt. Gemeint sind jene, die im Alter nicht mehr so mobil sind oder nach einem persönlichen Verlust Hemmungen verspüren, wieder ins Leben hinauszutreten. Der Verein will die mentale Barriere aufbrechen, die entsteht, wenn etwa der Lebenspartner gestorben ist und das Umfeld unsicher wird: Darf man ansprechen? Ist es zu viel? Methusalem e.V. antwortet mit Einladung, Mitmachen und behutsamem Schnuppern in Aktivitäten. Auffällig und wichtig: Von rund 160 Mitgliedern sind etwa 120 Frauen und 40 Männer. Frauen sind häufiger bereit, aktiv zu werden, Männer brauchen öfter einen zusätzlichen „Lockruf“ – auch dafür bietet der Verein niederschwellige Angebote, die bewusst Lust machen auf Gemeinschaft ohne Leistungsdruck.
Monika Pagel, seit 2019 im Verein und selbst über den Tod ihres Mannes zur Gemeinschaft gekommen, beschreibt die Atmosphäre als wohltuend offen: Das Motto „gemeinsam und nicht einsam“ wird spürbar gelebt. Namensschilder schaffen niedrigschwellige Orientierung, Grillfeste verbinden Genuss und Gespräch, informative Betriebs- und Einrichtungsbesuche bringen Wissen und Abwechslung, und das gesellige „Klünen“ entsteht ganz von selbst. Es ist dieses alltägliche Netz, das trägt: Man kennt sich, weiß wen man ansprechen kann, teilt Tipps und vermittelt Kontakte – Hilfe, die aus der Gruppe kommt und stark macht.
Aktivitäten, die verbinden – und Wirkung, die bleibt
Die Bandbreite der Unternehmungen ist groß und bewusst durchmischt: Besichtigungen wie der Hühnerhof der Firma Schöneke in Adelsdorf, ein Wasserwerksbesuch in Dollern, sportliche Treffen im Bewegungspark, Kultur mit Landtagsbesuch inklusive Ankündigung politischer Präsenz in Horneburg, jährliche Elbfahrten mit dem Küstenmotorschiff „Ally“ und Vereins-Kino in der Schule, das hervorragend angenommen wird. Ein Höhepunkt 2026: 20 Jahre Methusalem e.V. – ein Jubiläum, das wegen fehlender großer Räume in Horneburg auswärts gefeiert werden musste, aber umso sichtbarer wurde. Samtgemeinde- und Fleckensbürgermeister waren dabei und hörten die zentrale Bitte: Räume, die zusammenführen, damit alle Mitglieder gleichzeitig Platz finden und der Verein Planungssicherheit für wachsende Angebote hat.
Die Corona-Zeit war eine harte Probe. Treffen fielen weg, die Gefahr der Vereinsamung wuchs. Der Verein reagierte anrührend und pragmatisch: 135 Weihnachtstüten wurden gepackt und kontaktarm mit Masken persönlich übergeben. Tränen der Freude an der Haustür, herzliche Einladungen, die man damals nicht annehmen durfte – ein Beispiel, das andere Gemeinden inspirierte. Später entstand vor Weihnachten eine Auktion: Ein im Seniorenwohnhaus gemaltes Bild wurde versteigert, hängt inzwischen im Rathaus und erinnert an gelebte Gemeinschaft. Fast 500 Euro flossen in Sprachförderung für Menschen, die Deutsch noch lernen – denn Sprache bleibt Schlüssel zur Integration.
Mitgestalten statt zuschauen: Barrierefreiheit, Versorgung, Haltung
Engagement endet bei Methusalem e.V. nicht vor dem Gemeindehaus. Der Verein mischt sich ein, wenn es um Barrierefreiheit, politische Information oder demokratische Werte geht. Ein Beispiel: Auf dem Horneburger Marktplatz sammelten Peter Hoffmann und sein Team mit Fragebögen Rückmeldungen – nicht nur von Senioren, sondern auch von jungen Eltern mit Kinderwagen und anderen Betroffenen. Unebene Bürgersteige, unbrauchbare Gehwege, störende Brücken: Die Hinweise wurden systematisch erfasst und an den Gemeinderat übergeben. Die Folge: konkrete Verbesserungen, sichtbar und spürbar. Und der Verein bleibt dran, liefert weiter Daten und zeigt Stellen, die Aufmerksamkeit brauchen.
Auch die ärztliche Versorgung stand im Fokus eines Gesprächs mit der Kassenärztlichen Vereinigung. In Horneburg gibt es drei Hausärzte, die älter werden – die Frage, wie es weitergeht, ist drängend. Methusalem e.V. hält den Druck konstruktiv hoch, sucht Lösungen, fordert Planungssicherheit und zeigt, dass soziale Infrastruktur kein Luxus, sondern Grundversorgung ist. Das Selbstbild des Vereins hat sich in 20 Jahren gewandelt: Aus einer anfangs skeptisch betrachteten „neuen Idee“ wurde etablierte Bürgerkraft. Heute gilt die Haltung: „Gemeinsam sind wir stark“ – weil klassische Nachbarschaftshilfe mit Steuererklärung und Malerarbeiten im hohen Alter nicht mehr selbstverständlich möglich ist, dafür aber gegenseitige Unterstützung, Vernetzung und politisches Mitreden stärker zählen.
Ausblick: Räume, Rezepte und Brückenbauer
Für die Zukunft wünschen sich Peter und Monika vor allem eines: geeignete Räume, in denen alle Mitglieder zusammenkommen können. Ohne diese Basis ist Wachstum schwer, neue Interessierte lassen sich nur begrenzt aufnehmen, Aktivitäten brauchen Ausweichorte. Kino in der Schule funktioniert dank Kooperation, doch ein verlässliches Zuhause für große Treffen bleibt die zentrale Aufgabe – eine Einladung an Kommune und Wirtschaft, gemeinsam zu investieren. Denn auch Unternehmen werden älter, profitieren von lebendigen Gemeinden und finden in Vereinen wie Methusalem e.V. verlässliche Partner.
Die Lebendigkeit zeigt sich auch im Kleinen: Aus Brunchrunden mit Seniorinnen und Senioren entstand ein liebevolles Rezeptheft – vom Obstsalat mit Käse bis zum warm zu genießenden Sauerkrautkuchen. Ein Mitglied liefert Fischrezepte direkt von Helgoland. Solche kulinarischen Brücken sind mehr als Genuss: Sie erzählen Geschichten, verbinden Generationen und machen deutlich, wie aus Alltag Kultur wird. Freundschaften, Geburtstage, spontane Gespräche – die Summe der kleinen Dinge bekämpft die Einsamkeit und stärkt den Mut, Neues auszuprobieren.
Deine Einladung: Mitmachen, vorstellen, werben – bei „Trude Kuh“
Wir von „Trude Kuh“ haben mit Peter Hoffmann und Monika Pagel von Methusalem e.V. darüber gesprochen, wie Gemeinschaft Einsamkeit überwindet, warum Barrierefreiheit und ärztliche Versorgung Chefsache sind, was Corona mit Vereinen gemacht hat, und weshalb ein Rezeptheft genauso viel Zusammenhalt stiften kann wie eine Elbfahrt oder ein Kinoabend. Wenn Du mit Deinem Verein ähnliches leistest oder Lust hast, Eure Arbeit im TV-Studio sichtbar zu machen, melde Dich bei uns – wir von „Trude Kuh“ produzieren jeden Monat Inhalte mit über 14,5 Mio. Kontakten und bieten Dir Reichweite für Eure Themen und starke Werbeflächen für Unternehmen. Du willst mehr über uns erfahren? Dann schau direkt bei „Trude Kuh“ vorbei, entdecke unser TV-Studio von „Trude Kuh“, nutze die Möglichkeit, Deinen Verein im Interview vorstellen zu lassen, oder informiere Dich zu unseren Werbemöglichkeiten für Unternehmen. Wir von „Trude Kuh“ bringen Menschen, Vereine und Ideen zusammen – wenn auch Du Sichtbarkeit, Netzwerke und echte Wirkung suchst, dann lass uns sprechen und gemeinsam die richtigen Geschichten erzählen.


