Jennifer Neumann und Sascha Borchert von Straßenfreunde e.V. zu Gast bei „Trude Kuh“

Ein warmer Kaffee, ein frisches Brot, ein trockener Schlafsack für die Nacht. Was für die meisten Menschen selbstverständliche Dinge des Alltags sind, kann für andere zum täglichen Überlebenskampf werden. Wer auf der Straße lebt, weiß oft nicht, woher die nächste Mahlzeit kommt oder wo ein sicherer Schlafplatz zu finden ist. Mindestens genauso schwer wiegt jedoch das Gefühl, von der Gesellschaft übersehen und ignoriert zu werden. Am Düsseldorfer Hauptbahnhof, einem Ort, an dem täglich Tausende von Menschen aufeinandertreffen, spielt sich dieses Drama für viele Wohnungslose ab. Genau hier setzen die Straßenfreunde e.V. aus Düsseldorf an. Mit Bollerwagen voller Lebensmittel, Getränke, Kleidung und Hygieneartikeln suchen sie die Menschen dort auf, wo sie leben. Doch ihre vielleicht wichtigste Hilfe lässt sich nicht in Kisten packen: Zeit, ein offenes Ohr und Begegnungen auf Augenhöhe. Über die Realität des Lebens auf der Straße, die Herausforderungen ehrenamtlicher Arbeit und die Kraft der Mitmenschlichkeit sprachen Jennifer Neumann und Sascha Borchert vom Vorstand des Vereins am 3. September 2026 im Interview mit Redaktionsleiter Georg Mahn in den TV-Studios von „Trude Kuh“.

Eigene Erfahrungen als Antrieb für die Hilfe

Was die Arbeit der Straßenfreunde e.V. so besonders macht, ist die persönliche Verbindung der Vorstandsmitglieder zum Thema. Sascha Borchert lebte selbst zwei Jahre auf der Straße. Diese Zeit, die nun bereits zehn Jahre zurückliegt, hat ihn tief geprägt. Er beschreibt sie rückblickend als eine Erfahrung, die ihn „gebased“ und auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt habe. Dennoch war es alles andere als ein Zuckerschlecken. Er erlebte schlimme Dinge, wurde bedroht und sogar mit Fäkalien beschmissen. Die schlimmste Erfahrung sei jedoch nicht der Hunger gewesen, sondern die Missachtung durch andere Menschen, selbst durch die eigene Familie. Es sei ein stündlicher, kein täglicher Überlebenskampf. Auch Jennifer Neumann war ein Jahr wohnungslos und beschreibt diese Zeit als kalt und von einem ständigen Durchkämpfen geprägt, bei dem man von Tag zu Tag überleben muss. Sie erlebte herablassende Blicke und Ignoranz, die sie zutiefst traurig machten und ihr das Gefühl gaben, in einer Ellenbogengesellschaft zu leben, in der jeder nur mit sich selbst beschäftigt ist. Beide entschieden sich bewusst gegen den Griff zu Drogen, der für viele Betroffene eine vermeintliche Flucht aus der harten Realität darstellt. Diese persönlichen Schicksale verleihen ihnen heute eine besondere Stärke und das nötige Einfühlungsvermögen für ihre Vereinsarbeit.

Der Mensch am Rand ist unsere Mitte: Die Arbeit der Straßenfreunde

Unter dem Motto „Der Mensch am Rand ist unsere Mitte“ ziehen die Ehrenamtlichen regelmäßig mit ihren rot lackierten Bollerwagen los. Diese sind bis oben hin gefüllt mit Spenden, die sie direkt an die Bedürftigen verteilen, sei es in der Düsseldorfer Altstadt oder am Hauptbahnhof. Am dringendsten, so berichtet Jennifer Neumann, brauchen die Menschen Gespräche und Aufmerksamkeit. Ein warmer Kaffee, ein Schlafsack, Kleidung oder Hygieneartikel sind essenziell, doch die Begegnung auf Augenhöhe ist unbezahlbar. Sascha Borchert widerspricht vehement der naiven Meinung, wohnungslose Menschen seien selbst schuld an ihrer Lage. Er betont, dass es im sozialen Bereich an Personal, Streetworkern und Anlaufstellen fehle. Die Wohnheime seien oft überfüllt, was die Situation zusätzlich verschärft. Die Not auf den Straßen ist in den letzten Jahren definitiv größer geworden, was sich auch in den Zahlen ihrer Aktionen widerspiegelt. Bei einer Weihnachtsaktion im Jahr 2025 verteilten sie 350 Geschenke an Bedürftige – ein deutliches Zeichen für die wachsende Armut. Es könne jeden treffen, betont Sascha. Er selbst saß in der Armenküche neben Ärzten und Rechtsanwälten, die durch persönliche Schicksalsschläge alles verloren hatten.

Demut, Dankbarkeit und der Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit

Die Erfahrungen auf der Straße haben bei Sascha Borchert und Jennifer Neumann zu einer neuen Perspektive auf das Leben geführt. Sascha ist demütiger geworden und weiß alltägliche Dinge wie eine warme Wohnung und ausreichend Essen wieder wertzuschätzen. Er lebt bewusster und versucht, diese Haltung auch anderen zu vermitteln. Ein schönstes Kompliment, das er je erhalten habe, war die Aussage eines Obdachlosen: „Du bist mit uns auf Augenhöhe.“ Genau darum geht es dem Verein: Menschen nicht von oben herab zu behandeln, sondern ihnen mit Respekt und Verständnis zu begegnen. Für die Zukunft wünschen sich die Straßenfreunde e.V. mehr Aufmerksamkeit für das Thema Obdachlosigkeit, neue Mitglieder und weitere Unterstützung, vor allem in Form von Sachspenden. Sascha Borchert erwähnt konkret den Bedarf an einem Getränkelieferanten, da Getränke einen der größten Kostenpunkte darstellen. Es geht ihnen nicht primär um Geld, sondern darum, ein Bewusstsein in der Gesellschaft zu schaffen und die Menschen zu sensibilisieren. Ihr größter Wunsch wäre es, wenn es den Verein irgendwann nicht mehr bräuchte, weil die Welt ein besserer Ort geworden ist.

Machen auch Sie mit und werden Sie Teil unserer Gemeinschaft

Wir von „Trude Kuh“ sind tief beeindruckt von dem Engagement, das Jennifer Neumann und Sascha Borchert mit den Straßenfreunden e. V. zeigen. Das Gespräch hat uns einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig es ist, hinzusehen, zuzuhören und zu helfen. Wenn auch Sie einen Verein oder eine Initiative ins Leben gerufen haben, die unsere Gesellschaft ein Stück besser macht, dann möchten wir Ihnen eine Bühne geben. Melden Sie sich bei uns und nutzen Sie die Chance, Ihren Verein im Interview vorstellen zu können. Unser TV-Studio von „Trude Kuh“ steht bereit, um Ihre wertvolle Arbeit einem breiten Publikum zu präsentieren. Wir bei „Trude Kuh“ erreichen mit unseren Inhalten monatlich über 14,5 Millionen Kontakte. Diese enorme Reichweite bietet auch für Unternehmen eine einzigartige Plattform. Wenn Sie auf der Suche nach effektiven Werbemöglichkeiten für Unternehmen sind, um Ihre Marke zielgerichtet und sympathisch zu positionieren, dann sind Sie bei uns genau richtig. Kontaktieren Sie uns und lassen Sie uns gemeinsam darüber sprechen, wie wir Ihre Botschaft verbreiten können. Lasst uns gemeinsam hinschauen, handeln und die Welt ein kleines bisschen besser machen.