Berbel Häseker und Anke Laverentz von der Selbsthilfegruppe Schlaganfall und Hoffnung Bremerhaven zu Gast bei „Trude Kuh“

Die Studiolichter spiegeln sich in den Chromfelgen eines Dreirads, auf dem eine Frau mit wachem Blick sitzt. Ein paar Meter weiter berührt eine andere – behutsam, aber bestimmt – mit der Hand die Schulter ihres Gegenübers. Keine große Geste, eher ein Versprechen: Du bist nicht allein. Es sind diese kleinen Bilder, die das große Thema greifbar machen. Schlaganfall – ein Wort, das binnen Sekunden alles verändert. Ein Arm, der nicht mehr gehorcht. Worte, die sich verflüchtigen. Die Gewissheit, dass der vertraute Körper eigene Wege geht. Und dann doch: Hoffnung, Netzwerke, Rückwege in einen Alltag, der neu gelernt werden will. Darüber sprechen die Gründerin und erste Sprecherin Berbel Häseker und die zweite Sprecherin Anke Laverentz von Schlaganfall und Hoffnung Bremerhaven – offen, klar und erstaunlich heiter. Moderiert wurde das Gespräch von Redaktionsleiter Georg Mahn.

Wenn Sekunden zählen: Schlaganfall verstehen, handeln, helfen

Rund 270.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland einen Schlaganfall – statistisch alle zwei Minuten. Was als medizinischer Notfall beginnt, wird für viele zur Lebensaufgabe: Krankenhaus, Reha und danach der weite Raum unbeantworteter Fragen. Was ist wieder möglich? Wie lässt sich der eigene Körper neu annehmen? Welche Rolle nehmen Angehörige ein – zwischen starker Schulter und motivierendem Anschub?

Berbel Häseker beschreibt ihre Zäsur im März 2021 klar: Der große Schlaganfall kam atypisch, wie es bei Frauen häufiger vorkommt. Am Abend noch selbstständig, am nächsten Morgen gelähmt, das Sprachzentrum stumm. Diese Diskrepanz – das Unsichtbare am Offensichtlichen – zieht sich durch viele Biografien. Man sieht es ihnen nicht an, sagen beide, und genau darin lauert der Trugschluss: Unsichtbare Folgen sind nicht weniger einschneidend als sichtbare. Kognitive Einschränkungen, Fatigue, Sprachhürden – vieles bleibt von außen unbemerkt und prägt doch den Alltag.

Anke Laverentz erlebte 2024 ihren Schlaganfall ohne klassische Symptome. Ein paar Sehstörungen, abgetan als Nachwirkung einer Augen-OP – erst später die Erkenntnis. Heute darf sie kein Auto mehr fahren. Auf dem Land ist das mehr als ein Komfortverlust, es ist ein Einschnitt in Selbstständigkeit und Tagesstruktur. Beide betonen: Prävention und Früherkennung sind entscheidend. Wer Armhebe-Schwächen feststellt, Sprachstörungen bemerkt oder asymmetrische Gesichtszüge sieht, sollte ohne Zögern 112 wählen und Verdacht auf Schlaganfall angeben. Zeit ist Hirn – je schneller im Krankenhaus, desto größer die Chancen auf wirksame Behandlung.

Selbsthilfe als Kompass: Trauer, Akzeptanz, Aufbruch

Schlaganfall und Hoffnung Bremerhaven entstand 2022 aus persönlicher Betroffenheit und dem Willen, aus Erfahrung Unterstützung zu machen. Heute gibt es Gruppen für Betroffene und Angehörige in Bremerhaven und Nordenham sowie eine wachsende Online-Community. Selbsthilfe, sagen Häseker und Laverentz, bedeutet weit mehr als miteinander reden. Sie strukturiert die Phasen nach dem Bruch: Betroffenheit, die Frage nach dem Warum, die Trauer um das alte Leben – und irgendwann die Akzeptanz. Erst dann öffnet sich der Weg, aktiv zu werden und Verantwortung für die eigene Rehabilitation zu übernehmen.

Zur Selbsthilfe gehört Bewegung genauso wie Bildung. Die Dreiradgruppe verbindet Mobilität, Vertrauen in den Körper und Gemeinschaftsgefühl. Monatliche Treffen, eingeladene Gäste, Workshops und Informationsstände – etwa beim Blütenfest in Geestemünde – erhöhen Sichtbarkeit, vermitteln Wissen und schaffen Bezüge in die Stadtgesellschaft. Denn wer nie mit Schlaganfall konfrontiert war, sucht oft erst, wenn es passiert ist. Sichtbarkeit ist deshalb keine Kür, sondern Voraussetzung, damit Hilfe gefunden wird.

Angehörige spielen in diesem Koordinatensystem eine ebenso zentrale wie sensible Rolle. Zwischen Hilfe und Motivation müssen sie täglich neu abwägen, Geduld zeigen und doch fordern dürfen. Wenn Betroffene fitter werden, braucht es Loslassen auf beiden Seiten, damit Selbstständigkeit zurückkehren kann. Konflikte gehören dazu, sagen beide, wichtig ist der offene Blick auf die individuelle Situation – es gibt kein Einheitsmuster, weil kein Schlaganfall dem anderen gleicht.

Zwischen Forschung und Alltag: Betroffene zu Wort kommen lassen

Schlaganfall und Hoffnung Bremerhaven arbeitet mit der Universität Oldenburg zusammen, bringt die Perspektive Betroffener in Forschungsprojekte ein und stärkt so eine Entwicklung, die lange überfällig war: Weg von einer ausschließlich ärztlich determinierten Sicht, hin zu einer gemeinsamen Sprache auf Augenhöhe. Betroffene wissen, wie sich Therapien im Alltag anfühlen, welche Hürden wirklich zählen und welche Maßnahmen nachhaltig tragen. Dass es dabei auch zu unterschiedlichen Bewertungen kommt, ist Teil eines produktiven Aushandlungsprozesses – am Ende stehen bessere Angebote für Patientinnen und Patienten.

Parallel verankert die Gruppe ihre Themen in Netzwerken wie dem inklusiven Bremerhaven, macht mit Aktionen wie der Bademantel Challenge auf Demenz aufmerksam und sammelt mit Partnern – etwa Fanclubs – Mittel für Projekte. Ein Galerie-Moment: Ein Gruppenmitglied malt Bilder, die bei Veranstaltungen gezeigt werden. Wichtig ist, sagen sie, dass die Gruppe lebt – nicht nur vom Schlaganfall erzählen, sondern gemeinsam Neues erleben, Sinn und Freude organisieren. Motivation hat viele Gesichter: Für Berbel Häseker gehört auch Disziplin dazu. Acht Therapietermine pro Woche in der Anfangsphase, später sechs – Rehabilitation als Arbeit, die sich lohnt, wenn Teilnahme am Leben wieder gelingt.

Mut, Netzwerk, Einladung: Wie Du Teil der „Trude Kuh“-Community wirst

Wir von „Trude Kuh“ möchten Dir zum Abschluss noch einmal die wichtigsten Punkte mitgeben: Schlaganfall trifft jährlich Hunderttausende, oft ohne Vorwarnung. Berbel Häseker und Anke Laverentz zeigen, wie Selbsthilfegruppen wie Schlaganfall und Hoffnung Bremerhaven Betroffenen und Angehörigen Orientierung geben – von der ersten Angst über die Akzeptanz bis hin zur aktiven Rückeroberung von Selbstständigkeit. Sie sprechen über Prävention und das sofortige Wählen der 112 bei Verdacht, über unsichtbare Folgen, die genauso ernst sind wie sichtbare, über die Bedeutung von Bewegung, Dreiradgruppen, Workshops und über Netzwerke, die Sichtbarkeit schaffen. Ihre Arbeit reicht bis in die Forschung, wo die Stimmen der Betroffenen heute mit Nachdruck gehört werden. Wenn Du mit Deinem Verein, Deiner Initiative oder Deinem Unternehmen Sichtbarkeit willst: Wir von „Trude Kuh“ bieten Dir mit unseren Formaten, unserer Redaktion und unserer Reichweite – über 14,5 Mio. Kontakte im Monat – eine Bühne, die wirkt. Komm zu uns ins „Trude Kuh“ Universum, lerne unser TV-Studio von „Trude Kuh“ kennen und erzähle Deine Geschichte. Wenn Du Deinen Verein im Interview vorstellen möchtest, melde Dich direkt über Verein im Interview vorstellen; und wenn Du als Unternehmen Deine Marke in einem glaubwürdigen, reichweitenstarken Umfeld platzieren willst, findest Du alle Optionen unter Werbemöglichkeiten für Unternehmen. Wir von „Trude Kuh“ begleiten Dich redaktionell, produzieren professionell und sorgen dafür, dass Deine Botschaft dort ankommt, wo sie gehört werden soll – wenn Du bereit bist, den nächsten Schritt zu gehen, dann sind wir es auch.