Dieter Rutsch und Marina Bendradt vom Verein für Diakonische Jugendhilfe in Gifhorn zu Gast bei „Trude Kuh“

Wenn ein Streit zuhause eskaliert und plötzlich das Sofa zur Matratze unter dem offenen Himmel wird, dann rückt die große Lebensfrage schlagartig ganz nah: Wo schlafe ich heute Nacht? Im „Trude Kuh“ TV-Studio erzählten Dieter Rutsch und Marina Bendradt, wie der Verein für Diakonische Jugendhilfe in Gifhorn seit Jahrzehnten jungen Menschen genau in diesem Moment eine Tür öffnet – und mit einem sicheren Ort, Struktur und viel Herz Schritt für Schritt den Weg in ein eigenständiges Leben mitgestaltet. Moderiert wurde das Gespräch von Redaktionsleiter Georg Mahn.

Von einer Dachboden-Idee zur verlässlichen Anlaufstelle

Die Geschichte beginnt mit einer Anfrage, die alles veränderte: Anfang der 1980er Jahre suchte ein junger Mensch nach der Haftentlassung ein Dach über dem Kopf. Aus der spontanen Hilfe, damals noch buchstäblich auf dem Dachboden eines Kirchengemeindehauses, wuchs 1984 die Gründung des Vereins für Diakonische Jugendhilfe in Gifhorn. Pastor Dieter Rutsch, heute geschäftsführender Vorsitzender, erinnert sich im Studio: Es war schnell klar, dass dies kein Einzelfall bleiben würde. Gemeinsam mit einem Berufsschuldiakon und engagierten Unterstützerinnen und Unterstützern entstand eine Struktur, die über Einzelfallhilfe hinausging: Wohnungen anmieten, Wohngemeinschaften aufbauen, sozialpädagogisch begleiten – eine pragmatische Antwort auf sehr konkrete Notlagen.

Seither ist das Prinzip unverändert aktuell: In kleinen Wohngemeinschaften bekommen Jugendliche und junge Erwachsene Stabilität, Anleitung im Alltag und jemanden, der dranbleibt, wenn es schwierig wird. Es ist der Gegenentwurf zum täglichen Überlebensmodus: wieder schlafen, essen, zur Schule oder Ausbildung gehen – und dabei die eigenen Perspektiven neu entwickeln.

Alltag, der trägt: Wohnen, Struktur und Vertrauen

Marina Bendradt, pädagogische Hilfskraft im Verein, beschreibt die Bandbreite der Schicksale: familiäre Konflikte, Schulabbrüche, Ausbildungsprobleme, psychische Belastungen, Sucht – und immer wieder junge Menschen, die einfach nicht zu Hause bleiben können. Manchmal fehlt vor allem ein sicherer Ort, manchmal Struktur, manchmal ein Gegenüber, dem man vertrauen kann. Das klingt schlicht, ist aber in der Praxis anspruchsvoll: Vertrauen will gewonnen und gehalten werden. Marina sagt, dass viele sich ihr schnell öffnen – vielleicht, weil der Rahmen stimmt: klare Regeln, verlässliche Ansprechpartner, Alltag auf Augenhöhe.

Konkret betreibt der Verein zwei Häuser mit je drei Plätzen. Küchen, Bäder, eigene Heizung – kleinteilig organisiert, damit Eigenverantwortung wachsen kann. Ein Wohnzimmer ist derzeit wegen eines Wasserschadens in einem Haus nicht nutzbar; das andere bietet Platz für gemeinsames Ankommen. Büro und Besprechungsraum liegen nah am Geschehen, die Zeiten der Mitarbeitenden sind so eingeteilt, dass Erreichbarkeit in der Woche gewährleistet ist. Wenn es brennt, ist Marina innerhalb von fünf Minuten da. Am Wochenende gibt es keine Regelpräsenz, aber ein Netz an Kontakten. Auch die Kommune, Polizei, Sozialamt und der Landkreis sind in die Wege der Zuweisung eingebunden – eine oft unverzichtbare Koordination, wenn Fälle akut werden.

Drogen, Traumen, neue Stabilität: Herausforderungen 2026

In den Erzählungen wird deutlich, wie sich Problemlagen verändern. Heute spielt Sucht, auch rund um Cannabis, in vielen Fällen eine Rolle; fast alle Bewohnerinnen und Bewohner haben Erfahrungen damit gemacht. Das verkompliziert die Unterstützung, weil es nicht nur um Wohnungslosigkeit geht, sondern um innere Stabilisierung, um Motivation, um das sprichwörtliche „Im Kopf wollen“. Dieter Rutsch schildert ein Beispiel, in dem sexualisierte Gewalt in der Kindheit bis ins junge Erwachsenenleben nachwirkt. Dann geht es um Traumatherapie, spezialisierte Hilfen und viel Geduld – und darum, die richtigen Anlaufstellen zu finden.

Trotz der Schwere: Es gibt Licht. „Drei Jahre und ein neues Leben“, so fasst ein ehemaliger Bewohner seinen Weg zusammen. Genau das ist der Kern: Genug Zeit, um Routinen zu lernen, Beziehungen zu verlässlichen Erwachsenen aufzubauen, Ausbildung oder Arbeit anzugehen, Suchtmittelkonsum zu reflektieren und Ziele zu formulieren. Dieses „gemeinsam leben lernen“ ist nicht nur der Leitsatz des Vereins, sondern tägliche Praxis. Manchmal fängt das bei Farbeimer und Pinsel an: eine Wand gemeinsam bunt machen, Motive vorzeichnen, Lebensräume gestalten – kleine Zeichen dafür, dass Veränderung möglich ist.

Gemeinsam leben lernen: Haltung und Haltungskraft

Das Motto „gemeinsam leben lernen“ ist bewusst gewählt. Dahinter steht die Überzeugung, dass Leben gestaltbar ist – aber selten allein. Wer schlingert, muss nicht nur Stopp sagen können, sondern auch die Hand gereicht bekommen. Es geht um Alltagskompetenzen: aufstehen, einkaufen, kochen, Haushaltsgeld einteilen. Um Behördenwege: Anträge, Fristen, Nachweise. Um Bildung und Arbeit: zurück in die Schule, Praktikum, Ausbildungsplatz suchen. Und es geht um innere Arbeit: verstehen, was war, aushalten, was ist, planen, was sein soll. Nichts davon funktioniert über Nacht. Vieles funktioniert überhaupt erst dann, wenn junge Menschen sich angenommen fühlen, ohne Vorverurteilung, ohne Stigma.

Marina beschreibt ihre Motivation schlicht, aber eindringlich: Die jungen Leute geben Kraft, weil sie Hilfe wollen – und weil es sichtbar etwas bringt. Wer abends zum Notfall ausrückt, spürt den Adrenalinkick, aber auch Sinn. Dieter betont, wie wichtig Einrichtungen wie diese für eine Stadt sind: In Gifhorn ist dieses Angebot nahezu einzigartig. Es füllt eine Lücke zwischen dauerhafter stationärer Betreuung und völliger Selbstorganisation. Die Bewohner zahlen Miete, die Fachkräfte bringen Zeit, Kompetenz und Beziehungsarbeit ein – so entsteht ein realitätsnaher Rahmen, in dem Selbstständigkeit wachsen kann.

Ein sicherer Ort als Startlinie

Die Kernbotschaft aus dem Gespräch im „Trude Kuh“ TV-Studio: Manchmal braucht es zuerst einen sicheren Ort, damit aus Überleben wieder Zukunft wird. Die Wohngruppen bieten genau diesen Startpunkt. Wer sich stabilisiert, entdeckt neue Wege: Behördengänge werden Routine, Bewerbungen werden abgeschickt, erste Jobs ausprobiert. Und Gemeinschaft wird erlebbar – zum Beispiel, wenn zum Advent ein gemeinsames Essen entsteht, organisiert mit der Jugendwerkstatt. Es ist mehr als Kulinarik: Es ist Teilhabe, Verantwortung, Freude am gemeinsamen Tun. Wer so erlebt, dass er zählt, kommt auch innerlich voran.

Die große Aufgabe bleibt, Rückfälle auszuhalten, Grenzen zu setzen und doch dranzubleiben. Drogenentzug ohne inneren Willen? Funktioniert nicht. Rückführung in Herkunftsfamilien? Eher selten. Stabilität im eigenen Leben? Das Ziel. Die Haltung des Vereins ist deshalb klar: annehmen, begleiten, befähigen. Und immer wieder signalisieren: Du bist nicht allein.

Deine Einladung ins TV-Studio und zu 14,5 Mio. Kontakten im Monat

Wir von „Trude Kuh“ haben heute den Verein für Diakonische Jugendhilfe in Gifhorn in den Fokus gerückt und die wichtigsten Punkte besprochen: warum junge Menschen ihre Wohnung verlieren, wie der Verein in kleinen Wohngruppen Sicherheit und Struktur gibt, warum Vertrauen, Suchtarbeit und alltagsnahe Unterstützung zusammengehören und wie aus drei Jahren Begleitung ein neues Leben werden kann; wenn Du Deinen Verein vorstellen möchtest, melde Dich gern bei uns – im „Trude Kuh“ Kosmos erreichst Du mit uns monatlich über 14,5 Mio. Kontakte und damit eine enorme Reichweite für Geschichten, die zählen und für Botschaften, die ankommen; komm ins TV-Studio von „Trude Kuh“, erlebe eine professionelle Produktion mit Herz und Humor und stell Deine Arbeit vor, damit mehr Menschen sehen, was Ihr leistet; wenn Du einen Verein leitest oder Teil eines Projekts bist, kannst Du direkt hier Deinen Verein im Interview vorstellen und wir übernehmen den Rest – von der Terminplanung bis zur Ausspielung; und falls Du ein Unternehmen vertrittst und die Reichweite von „Trude Kuh“ für starke Kampagnen nutzen willst, dann entdecke jetzt unsere Werbemöglichkeiten für Unternehmen – wir entwickeln mit Dir aufmerksamkeitsstarke Konzepte, die wirken; wir von „Trude Kuh“ freuen uns auf Dich, auf Eure Geschichten und darauf, gemeinsam Sichtbarkeit zu schaffen, die wirklich etwas bewegt.