Ein Fußball, der über den grünen Rasen rollt, Tischtennisbälle, die in der Halle im Takt der Punktgewinne über das Netz tanzen, Kinder, die zu mitreißender Musik ihre ersten Choreografien lernen – und nebenan überwinden die Kleinsten mit strahlenden Augen einen Hindernisparcours auf ihren Steckenpferdchen. Diese Szenen sind mehr als Momentaufnahmen: Sie erzählen von Gemeinschaft, Gesundheit und gelebter Leidenschaft. Der Sport verbindet Menschen, stiftet Sinn und schafft Erinnerungen, die bleiben. Das gilt besonders dort, wo Vereine seit Jahrzehnten Heimat prägen, Traditionen bewahren und gleichzeitig mutig neue Wege gehen. Genau das lebt der VfL Viktoria Flachsmeer in der Gemeinde Westoverledingen im Landkreis Leer – gegründet 1927 und heute mit einem Angebot, das weit über Fußball und Tennis hinausreicht. In den „Trude Kuh“ TV-Studios sprechen André Hessenius, erster Vorsitzender seit 2018 und Vereinsmitglied seit 2008, und Bernd Klaassen, Jugendobmann seit 2014, über die Kraft des Ehrenamts, die Herausforderung Social Media und die Vision eines modernen Vereinslebens. Moderator des Gesprächs ist Redaktionsleiter Georg Mahn.
Tradition mit Rückenwind: Der Verein als Herz der Gemeinde
Der VfL Viktoria Flachsmeer ist einer der größten Vereine in Westoverledingen und zählt mit mehr als 1.400 Mitgliedern zu den Top 4 im Landkreis Leer. Was auf den ersten Blick wie eine Erfolgsgeschichte in Zahlen wirkt, ist vor allem das Ergebnis von Haltung und Kultur: einer Willkommenskultur, die Menschen anzieht, und einer Gemeinschaft, die trägt. André Hessenius betont, dass ihn genau diese Atmosphäre einst angezogen hat – obwohl Flachsmeer nicht sein Heimatverein war – und in das Ehrenamt geführt hat. Für ihn ist das Miteinander der entscheidende Motor. Dieses Miteinander zeigt sich im Alltag ebenso wie bei Höhepunkten wie der „Victoria Night“, der schwarz-weißen Vereinsnacht, die einmal im Jahr mit fulminanten Tanzauftritten eröffnet wird und der ganzen Viktoria-Familie eine Bühne gibt.
Mehr als Fußball: Breites Sportangebot, kluge Infrastruktur
Zur klassischen Palette zählen Fußball, Tischtennis und Tennis – darunter drei Sandplätze und eine Tischtennisabteilung mit Wurzeln bis in die 1960er Jahre. Doch der Verein hat sein Portfolio klug erweitert. Ein Neubauprojekt mit Vereinsheim und Bewegungsraum war richtungsweisend, weil kommunale Hallenzeiten nicht immer reichen und der Verein auch mit modernen Fitnessanbietern konkurriert. In diesem Bewegungsraum entstehen heute Angebote, die Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen abholen: von Wassergymnastik und Eltern-Kind-Schwimmen über Spinning und Langhantel-Workouts bis hin zu „Strong Station“, einem intensiven Trainingsformat unter versierten Trainerinnen und Trainern. Dazu kommen Tanzgruppen vom Kleinkindalter an sowie Kurse wie Yoga, Pilates, Gymnastik und Bodyworkout – eine Mischung aus Tradition und Innovation, die sowohl Neugier weckt als auch bestehende Mitglieder neu begeistert. Viele Impulse kommen aus dem Trainerteam und von Mitgliedern, die Ideen einbringen und Verantwortung übernehmen.
Nachwuchsarbeit: Voller Zulauf unten, dünnere Luft oben
Bernd Klaassen beschreibt die Nachwuchslage im Fußball offen: In den jüngsten Altersklassen – von G- und F-Jugend, aus Kindergarten und Grundschule – ist der Zulauf enorm, teils genug für vier Mannschaften pro Bereich. Je älter die Jugendlichen werden, desto stärker wächst die Konkurrenz durch Social Media, Gaming und andere Freizeitangebote. In den C-, B- und A-Junioren wird es daher dünner, weshalb der Verein in der Spitze mit Spielgemeinschaften arbeitet. Ziel bleibt, die Herrenmannschaften langfristig aus dem eigenen Unterbau zu stärken, was bei vielen Vereinen im Land zur Kernaufgabe gehört. Trainingszeiten liegen überwiegend am späten Nachmittag; die Ganztagsschule und reduzierte Hallenkontingente im Winter sind zusätzliche Herausforderungen. Umso wertvoller sind die vielen lizenzierten und engagierten Jugendtrainer, die mit guter Ausbildung und Herzblut arbeiten und die Mannschaften erfolgreich begleiten.
Ehrenamt, Organisation und Teamgeist: So hält der Motor
Die Organisation hinter den Kulissen ist groß, aber gut strukturiert. Der Verein zählt 27 Jugendtrainer, viele Teams sind doppelt oder dreifach besetzt. Dazu kommt ein bezahlter Platzwart in geringfügiger Beschäftigung; der überwiegende Teil der Platzpflege, Linienkreide und Anlagenbetreuung wird über Ehrenamt gestemmt – organisiert oft pragmatisch über WhatsApp-Gruppen. Damit Engagement Freude bleibt, setzt der Verein auf Teamkultur: regelmäßige Trainertouren und kleine Events, die Anerkennung zeigen und Zusammenhalt stärken. Bemerkenswert: Während viele Clubs händeringend Vorstände oder Trainer suchen, ist der VfL Viktoria Flachsmeer laut André Hessenius aktuell gut aufgestellt – auch mit Blick auf Neuwahlen und Nachbesetzungen. Die Mischung aus Dankbarkeit, gemeinsamer Verantwortung und frischer Ideen scheint zu tragen. Und manchmal gibt es besondere Erlebnisse obendrauf: Über einen Sponsor und Vorstandskollegen in Meppen durften Jugendmannschaften der Viktoria als Einlaufkinder ins Stadion – Momente, die Motivation und Vereinsstolz befeuern.
Ausblick: Zwischen Traum und Realität
Wenn André Hessenius von Zukunft spricht, fällt ein Wort mit Augenzwinkern und leuchtenden Augen: Profifußball. Der Traum bleibt – realistisch betrachtet fehlen dafür die finanziellen Mittel, und die erste Herrenmannschaft wird eher als Einheit belohnt, statt Einzelakteure hochdotiert zu bezahlen. Ehrlicher Breitensport statt Scheckheft-Strategie: Das passt zur DNA des Vereins. Bernd Klaassen schaut pragmatisch und optimistisch nach vorn: Wenn es so weiterläuft wie in den vergangenen Jahren, ist der Kurs richtig. Neue Angebote entstehen teils aus Mitgliedswünschen, teils über Trainerinnen und Trainer, die ihre Expertise einbringen. Der demografische Wandel rückt Angebote für Ältere stärker in den Fokus, ohne die Jugend aus dem Blick zu verlieren. So bleibt der VfL Viktoria Flachsmeer ein Ort, an dem Sport Gemeinschaft schafft – und Gemeinschaft Sport möglich macht.
Einladung und Möglichkeiten: Wir von „Trude Kuh“ für Dich
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