Carsten Brinkmann und Hartwig Laufer vom SV Brake zu Gast bei „Trude Kuh“

Der satte Klang eines getroffenen Lederballs, der Geruch von frisch gemähtem Rasen und das vertraute Kribbeln in den Beinen kurz vor dem Anpfiff wecken bei vielen Sportbegeisterten unzählige Erinnerungen an vergangene Glanzzeiten auf dem Platz. Doch wenn die Jahre vergehen, die Gelenke sich melden und der eigene Körper den rasanten Sprints des klassischen Fußballs Grenzen setzt, landet die einstige Leidenschaft oft unweigerlich auf der Reservebank des Lebens. Dass der geliebte Ballsport jedoch keineswegs an ein bestimmtes Alter oder an Höchstleistungen gekoppelt sein muss, beweist eine dynamisch wachsende Bewegung, die nun auch die Wesermarsch erobert hat. Beim traditionsreichen SV Brake wird der Fußball kurzerhand im Gehen neu gedacht, ohne dabei auch nur einen Hauch an Spielfreude, Taktik oder echter Kameradschaft einzubüßen. Über diese faszinierende Initiative, gelebte Inklusion auf dem Rasen und den Mut, die Fußballschuhe noch einmal neu zu schnüren, sprach Redaktionsleiter Georg Mahn.

Die Renaissance am Ball: Wie Walking Football den SV Brake erobert

Die Idee zur neuen Sparte entstand aus der Praxis des Rehasports heraus, wo Initiator Hartwig Laufer feststellte, dass ein wöchentliches Training für viele Teilnehmer kaum ausreichte, um dauerhaft fit zu bleiben. Auf der Suche nach einer abwechslungsreichen Ergänzung stieß er auf das Konzept des Walking Football, das bereits 2011 in England entwickelt worden war. Nach kurzer Rücksprache mit der Vereinsführung des SV Brake und begeisterten Rückmeldungen aus den Kursen nahm das Vorhaben rasch konkrete Formen an. Mit Trainer Carsten Brinkmann stieß genau der richtige Fachmann hinzu, um die neue Mannschaft aufzubauen. Was bei vielen anderen Vereinen Monate dauert, entwickelte sich in Brake zu einem vollen Erfolg: Binnen kürzester Zeit fanden sich rund 20 aktive Spielerinnen und Spieler zusammen, um gemeinsam das runde Leder rollen zu lassen.

Klare Regeln für puren Spielspaß ohne Verletzungsrisiko

Walking Football unterscheidet sich durch ein durchdachtes Regelwerk grundlegend vom herkömmlichen Fußballsport, um die Gelenke zu schonen und allen Beteiligten ein sicheres Sporterlebnis zu ermöglichen. Laufen oder Rennen ist strikt untersagt und wird sofort als Foul geahndet; mindestens ein Fuß muss zu jedem Zeitpunkt Bodenkontakt halten. Zudem darf der Ball maximal auf Hüfthöhe, also etwa einen Meter hoch, gespielt werden. Auf dem 42 mal 21 Meter großen Kleinfeld wird komplett ohne Torhüter auf drei mal ein Meter große Tore gespielt. Freistöße erfolgen indirekt, und der klassische Einwurf wird durch ein unkompliziertes Einkicken von der Seitenlinie ersetzt. Auch wenn es anfangs etwas Disziplin erfordert, den gewohnten Sprintimpuls zu unterdrücken, stellt sich der Spielfluss schnell ein und sorgt für spannende, taktisch anspruchsvolle Ballwechsel.

Gemeinschaft, Gesundheit und große Zukunftspläne

Neben den gesundheitlichen Vorteilen steht vor allem das Miteinander im Vordergrund. Beim SV Brake spielen erfahrene Altherrenkicker Seite an Seite mit Neulingen, die zuvor kaum Berührungspunkte mit dem Vereinsfußball hatten. Leistungsdruck oder Versagensängste gibt es nicht; im Mittelpunkt stehen das gemeinsame Lachen, die Bewegung an der frischen Luft und das Teamerlebnis. Trainiert wird regelmäßig montags, je nach Jahreszeit auf dem Polygrasplatz des Magnus-Barkhorn-Stadions oder in der Halle. Für die Zukunft visieren die Verantwortlichen bereits den Aufbau weiterer Mannschaften an, um sowohl rein freizeitorientierten Spielern als auch ambitionierten Teilnehmern bei Turnieren gerecht zu werden. Der Sport beweist eindrucksvoll, dass Alter nur eine Zahl ist und Bewegung die beste Medizin bleibt.

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