Ein leises Knacken, ein winziger Riss in der Schale – und plötzlich beginnt ein neues Leben, das sich neugierig ins Freie kämpft. Für Geflügelzüchter ist dieser Moment auch nach vielen Jahren etwas Besonderes. Hinter der bunten Vielfalt an Hühnern, Tauben und anderen Geflügelrassen steckt dabei weit mehr als die Freude am Tier: Es geht um Wissen, Verantwortung und den Erhalt alter Rassen. Über diese Leidenschaft und die Arbeit ihres Vereins sprachen Heiner Albrecht und Christian Becker mit Redaktionsleiter Georg Mahn in den Studios von „Trude Kuh“.
Eine Leidenschaft, die mit zwölf Jahren begann
Der Geflügelzuchtverein Morsum und Umgebung wurde 1927 gegründet und verbindet seit fast einem Jahrhundert Menschen, die sich für Rassegeflügel begeistern. Heiner Albrecht kam 1972 als Zwölfjähriger dazu. Damals dachte er wohl kaum daran, später über Jahrzehnte Vereinsaufgaben zu übernehmen. Seit 1991 ist er erster Schriftführer. Geblieben ist vor allem die Begeisterung für die Tiere und dafür, neues Leben schlüpfen zu sehen.
Auch Christian Becker ist seit seiner Kindheit mit Geflügel vertraut. 2014 trat er dem Verein bei, seit 2024 unterstützt er als Jugendzuchtwart den Nachwuchs. Kinder können sich mit Fragen zu Fütterung, Krankheiten oder Ausstellungen an ihn wenden. Fehlt jungen Züchtern ein Tier oder brauchen sie Unterstützung, hilft Becker ebenfalls – notfalls auch mit einer spontanen Fahrt zur Ausstellung. So wird Vereinsarbeit ganz praktisch und nahbar.
Wer beim Stichwort Huhn nur an Eier im Supermarkt denkt, verpasst eine erstaunlich große Vielfalt. Der Verein unterscheidet zwischen großen Hühnern und Zwerghühnern; in beiden Gruppen gibt es zahlreiche Rassen und unterschiedliche Farbschläge. Weltweit existieren noch sehr viel mehr Hühnerrassen. Manche gelten als gefährdet und stehen auf roten Listen. Der Verein kann zwar niemandem vorschreiben, welche Rasse er halten soll, doch wenn sich eine besondere Liebhaberei entwickelt, helfen Mitglieder beim Austausch von Zuchttieren und beim Aufbau von Kontakten.
Rassevielfalt, Ausstellungen und tierische Eigenheiten
Ausstellungen sind für die Züchter ein wichtiges Schaufenster. Dort können sie Tiere präsentieren, andere Züchter treffen und Erfahrungen austauschen. Geschulte Preisrichter beurteilen die Tiere und helfen dabei, ihre Eignung für die Zucht einzuschätzen. Für Heiner Albrecht sind besonders die Deutschen Zwerghühner ein Herzensthema. Er hält ungefähr 40 Tiere. Bei einer Spezialschau in Erding waren kürzlich 21 anerkannte Farbschläge dieser Rasse vertreten – ein eindrucksvolles Beispiel für die Vielfalt, die in einer einzigen Hühnerrasse stecken kann.
Auch ungewöhnliche Verhaltensweisen machen die Haltung spannend. Manche Hühner suchen zum Schlafen gern erhöhte Plätze auf und sitzen auf Ästen. Wer ihnen eine Weile zusieht, entdeckt unterschiedliche Charaktere und kleine Routinen. Bei Tauben gibt es ebenfalls viel zu beobachten: Christian Becker hält ungefähr 80 Tiere, darunter Arabische Trommeltauben. Wenn die Sonne herauskommt, beginnen die Täuber mit ihrem charakteristischen Trommeln, um zu werben. Deutsche Modeneser wiederum ziehen ihre Jungen selbst auf. Die Küken sind zunächst auf ihre Eltern angewiesen – ein anderer Entwicklungsweg als bei Hühnerküken, die als Nestflüchter bald ihre Umgebung erkunden.
Auch die natürlichen Rhythmen gehören zum Züchteralltag. Im Herbst legen Hennen oft weniger Eier, weil sie mausern und ihr Federkleid erneuern. Licht und Futter beeinflussen die Legeleistung ebenfalls. Während in der gewerblichen Geflügelhaltung die Beleuchtungszeiten gesteuert werden können, lassen die Vereinszüchter ihre Tiere möglichst ihrem natürlichen Rhythmus folgen. Das macht sichtbar, wie weit das lebendige Tier vom fertigen Produkt im Supermarkt entfernt ist.
Vom Ei zum Küken: Lernen mit eigenen Augen
Ein besonderes Anliegen des Vereins ist die Jugendarbeit. In Zusammenarbeit mit der örtlichen Grundschule begleitet der Verein Brutprojekte im Sachkundeunterricht. 2025 fand bereits das 20. Projekt statt; rund 40 Eier kamen dabei in den Brutapparat. Die Kinder lernen, wie sich ein Küken entwickelt, und betreuen die Brut über mehrere Wochen. Sie achten auf die Luftfeuchtigkeit, beobachten den Ablauf und zählen die Tage bis zum Schlupf.
Nach etwa einer Woche werden die Eier in einem abgedunkelten Raum durchleuchtet. Beim sogenannten Schieren lassen sich die Adern des sich entwickelnden Keimlings erkennen. Für die Kinder wird so sichtbar, dass im Ei tatsächlich neues Leben entsteht. Wenn die Küken schlüpfen, bleiben sie zunächst in der Brutmaschine, bis sie trocken sind, und kommen anschließend in eine warme Aufzuchtbox. Die Temperatur wird nach und nach angepasst.
Der Moment des Schlüpfens kann allerdings überraschend sein: Ein frisch geschlüpftes Küken ist zunächst nass und sieht noch nicht aus wie das flauschige Tier, das viele vor Augen haben. Nach dem Trocknen beginnt es, die Umgebung zu erkunden und nach Futter zu picken. Gerade dieser Wandel beeindruckt die Kinder. Der Verein vermittelt dabei nicht nur Wissen über Geflügel, sondern auch Respekt vor dem Leben und Verantwortung für Tiere.
Zum Vereinsleben gehören außerdem ein Jugendzeltlager und gemeinsame Aktivitäten. Auch Kinder, die nicht im Verein sind, können dort Einblicke gewinnen. Spiele, Ausflüge und eine Woche in der Gruppe machen das Zeltlager zu einem Erlebnis, auf das sich die jungen Teilnehmer jedes Jahr freuen. Bei rund 180 Vereinsmitgliedern zählt der Jugendkreis etwa 20 Personen. Für die Zukunft wünschen sich Albrecht und Becker, noch mehr Jugendliche für das Hobby zu begeistern und die Akzeptanz für die Vielfalt der Rassen zu stärken. Denn ohne Nachwuchs wird es schwierig, Wissen und Zuchttraditionen weiterzugeben.
Entdecke Vereine und Werbemöglichkeiten bei „Trude Kuh“
Im Gespräch wurde deutlich, was den Geflügelzuchtverein Morsum und Umgebung ausmacht: die Freude an den Tieren, der Austausch unter Züchtern, der Einsatz für alte Rassen und die Begeisterung, mit der Kinder beim Schlüpfen eines Kükens dabei sein können. Wenn Du selbst in einem Verein aktiv bist und Eure Arbeit vorstellen möchtest, kannst Du Dich bei uns melden und einen Besuch in den TV-Studios von „Trude Kuh“ anfragen. Wir von „Trude Kuh“ bringen spannende Menschen, Vereine und Themen ins Gespräch und zeigen, was sich vor Ort bewegt. Auf „Trude Kuh“ findest Du weitere Informationen zu unseren Beiträgen und Formaten. Einblicke in die Aufzeichnung und die Möglichkeiten vor Ort bietet das TV-Studio von „Trude Kuh“. Wenn Du mit Deinem Verein zu Gast sein möchtest, erfährst Du über Verein im Interview vorstellen, wie Du Dein Thema einreichen kannst. Auch für Unternehmen lohnt sich ein Blick: „Trude Kuh“ erzielt über 14,5 Mio. Kontakt im Monat und bietet damit attraktive Möglichkeiten, eine Marke, ein Angebot oder eine Dienstleistung sichtbar zu machen. Unter Werbemöglichkeiten für Unternehmen kannst Du Dich über passende Optionen für Firmenwerbung informieren. Ob Verein oder Unternehmen: Wenn Du Deine Geschichte erzählen oder Dein Angebot einem großen Publikum vorstellen möchtest, freuen wir uns auf Deine Nachricht.


