Anna Klein und Oliver Wehse vom Seelzer Brotkorb e. V. zu Gast bei „Trude Kuh“

Ein Einkaufswagen, nur halb gefüllt. Brot, Milch, ein paar Kartoffeln – und an der Kasse die bange Frage: Reicht das Geld für alles, oder muss doch etwas zurück ins Regal? Was für viele Menschen wie ein flüchtiger Gedanke klingt, ist für einen wachsenden Teil der Bevölkerung längst bittere Realität. Steigende Lebenshaltungskosten, kleine Renten, geringes Einkommen – und dazu die stille Scham, überhaupt um Hilfe bitten zu müssen. Gleichzeitig landen jeden Tag tonnenweise noch genießbare Lebensmittel im Müll, weil ein Apfel eine Druckstelle hat oder eine Banane zu krumm gewachsen ist. Genau in dieser Lücke zwischen Verschwendung und Bedarf wirkt der Seelzer Brotkorb e. V. aus der Region Hannover in Niedersachsen – und Redaktionsleiter Georg Mahn sprach im Studio von „Trude Kuh“ mit Anna Klein, Mitglied des Fahrradteams, und Oliver Wehse, dem ersten Vorsitzenden des Vereins.

Ein Verein mit Haltung: Würde geht vor

Oliver Wehse ist seit 2021 erster Vorsitzender, war aber bereits kurz nach der Vereinsgründung im Jahr 2010 dabei. Seine persönliche Motivation bringt er klar auf den Punkt: Es geht ihm darum, Menschen zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind – und gleichzeitig dem sinnlosen Vernichten von Ressourcen entgegenzuwirken. Für ihn ist ein Apfel mit Druckstelle kein wegzuwerfendes Produkt, sondern ein Symbol für gesellschaftliche Fehlsteuerung. In Deutschland werden jährlich rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, 60 Prozent davon aus privaten Haushalten – das entspricht etwa 130 Kilogramm pro Person und Jahr. Zahlen, die Wehse nicht kalt lassen.

Wer Hilfe beim Seelzer Brotkorb in Anspruch nehmen möchte, muss einen Nachweis über Bedürftigkeit mitbringen – etwa einen Bürgergeld- oder Grundsicherungsbescheid, einen Bafög- oder Wohngeldbescheid. Danach erhalten die Menschen eine Kundenkarte und können einmal pro Woche Lebensmittel abholen. Die Ausgabe findet donnerstags von 14 bis 18:30 Uhr statt. An einem einzigen Ausgabetag kommen zwischen 100 und 200 Haushalte – hinter denen bis zu 500 Menschen stehen können. Doch bevor überhaupt irgendjemand eine Tüte in der Hand hält, steht für Wehse immer ein Grundsatz: der menschliche Umgang. Erst der Mensch, dann das Formular.

Dass viele Betroffene – besonders ältere Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben – die Hemmschwelle kaum überwinden können, um Hilfe anzunehmen, beschäftigt ihn sichtlich. Wehse sieht es nicht als Schande, Unterstützung zu akzeptieren. Im Gegenteil: Ein kleiner symbolischer Beitrag, den die Empfänger beim Abholen der Lebensmittel zahlen, sorgt dafür, dass es sich nicht nach Almosen anfühlt. Selbstwürde, so Wehse, ist kein Luxus.

Ehrenamt im Alltag: Mit dem Fahrrad gegen die Verschwendung

Anna Klein gehört zum Fahrradteam des Vereins und schildert anschaulich, wie der Arbeitsalltag aussieht. Eine Liste mit Lieferanten – Supermärkte, Bäckereien, andere Einrichtungen – wird systematisch abgefahren. Jeder Betrieb hat seine eigenen Zeitfenster, montags hier, mittwochs dort, manchmal auch spontan. Was abgeholt wird, wird bereits vor Ort vorläufig sortiert, denn im Sommer überstehen manche Lebensmittel keine Stunde ungekühlt. Zurück beim Brotkorb wird noch einmal genauer geprüft, was wohin kommt – denn verschiedene Produkte haben verschiedene Anforderungen an Lagerung und Haltbarkeit.

Klein betont, wie stark der Aufwand unterschätzt wird. Wäre das alles bezahlte Arbeit, würde das Modell wirtschaftlich schlicht nicht funktionieren. Rund 70 Ehrenamtliche tragen den Verein. Was treibt sie an? Für Klein ist die Antwort klar: der Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun. Gesellschaft funktioniert nur, wenn niemand vergessen wird. Wer selbst genug hat, kann innehalten und fragen: Was kann ich tun, damit es anderen auch gut geht?

Die Schicksale, die Ehrenamtliche dabei mitbekommen – die alleinstehende Rentnerin, die Familie am Existenzminimum – hinterlassen Spuren. Klein findet es deshalb wichtig, dass man im Team darüber redet und sich gegenseitig stützt. Genau das sei auch der Sinn: niemanden mit seinem Schicksal allein zu lassen.

Nachhaltigkeit, Öffentlichkeitsarbeit und ein Regenbogen vor dem Fenster

Der Seelzer Brotkorb denkt über die reine Lebensmittelweitergabe hinaus. Seit 2019 wird bewusst auf Einwegverpackungen verzichtet, wo immer es möglich ist. Ein praktisches Beispiel: Statt immer neuer Eierpappen aus Pappe, die aus hygienischen Gründen nur einmal genutzt werden dürfen, hat der Verein wiederverwendbare Eierboxen aus Kunststoff eingeführt. Kunden bringen sie beim nächsten Besuch sauber gespült zurück. Wer fragt, warum Kunststoff, bekommt eine pragmatische Antwort: Zehnmal nutzbar schlägt einmal nutzbar immer.

Auch das Pedelec gehört mittlerweile zur Flotte – eine bewusste Entscheidung, denn viele Supermärkte sind in wenigen Minuten per Fahrrad erreichbar. Mit dem Auto für drei Minuten Fahrt loszudüsen, passt nicht zu einem Verein, der Ressourcenschonung ernst nimmt. Überhaupt scheut der Seelzer Brotkorb die Öffentlichkeit nicht: Er nimmt am Schützenausmarsch in Hannover teil, war während der Corona-Pandemie einer der wenigen Vereine, die Ausgaben weiterhin realisierten, wurde vom Bundespräsidenten zum Bürgerfest ins Schloss Bellevue eingeladen und organisierte kurzerhand ein eigenes Lichterfest, als die beliebten Seelzer Lichter coronabedingt ausfielen.

Was beide für die Zukunft wünschen, liegt auf der Hand: mehr Unterstützer, die sagen – auch ein Tag im Monat oder ein kleiner Monatsbeitrag reicht und hilft enorm. Und mehr Menschen, die die Hemmschwelle überwinden und Hilfe annehmen, ohne sich dafür schämen zu müssen.

Du möchtest mehr erfahren – oder selbst Teil dieser Geschichte werden?

Wir von „Trude Kuh“ sind begeistert von Menschen wie Anna Klein und Oliver Wehse, die mit so viel Herz und Konsequenz einen Unterschied machen. Der Seelzer Brotkorb e. V. steht für gelebte Solidarität, für Nachhaltigkeit und für eine Willkommenskultur, die Würde in den Mittelpunkt stellt. Wenn Dich diese Geschichte bewegt und Du mehr über unsere Sendungen, Gäste und Themen erfahren möchtest, dann schau gerne direkt bei „Trude Kuh“ vorbei. Wir freuen uns über jeden Besuch.

Wenn Du selbst einem Verein angehörst, der eine wichtige Arbeit leistet und diese einer breiten Öffentlichkeit vorstellen möchte, dann melde Dich einfach bei uns. Im TV-Studio von „Trude Kuh“ geben wir Vereinen eine Bühne – genau so, wie wir es heute mit dem Seelzer Brotkorb e. V. getan haben. Über unsere Seite kannst Du Deinen Verein im Interview vorstellen und so Menschen erreichen, die vielleicht selbst anpacken wollen oder spenden möchten.

Und noch etwas: Wir von „Trude Kuh“ erzielen monatlich über 14,5 Millionen Kontakte. Das bedeutet für Unternehmen ein enormes Potenzial, um ihre Botschaft sichtbar zu machen – regional verankert, aber mit großer Reichweite. Wer als Unternehmen auf sich aufmerksam machen möchte, findet bei uns vielfältige Werbemöglichkeiten für Unternehmen, die wirklich ankommen. Wir würden uns freuen, auch Dich oder Dein Unternehmen bald bei „Trude Kuh“ begrüßen zu dürfen.