Am Straßenrand wartet ein Hund auf Hilfe, eine erschöpfte Katze braucht medizinische Versorgung, ein Kaninchen lebt unter unzumutbaren Bedingungen: Hinter jedem Tier, das im Tierheim ankommt, steht eine eigene Geschichte. Im Tierheim Mulmshorn bekommen Hunde, Katzen und Kleintiere Schutz, Pflege und die Chance auf ein neues Zuhause. Wie der Tierschutzverein für den Landkreis Rotenburg Wümme e.V. diese Arbeit stemmt und warum ein größeres Tierheim dringend gebraucht wird, erzählen Tierheimleiterin Julia Mertens und Vorstandsvorsitzender Marcel Mertens im Gespräch in den Studios von „Trude Kuh“. Das Interview führte Redaktionsleiter Georg Mahn.
Ankommen, versorgt werden und Vertrauen fassen
Marcel Mertens ist seit 2022 Vorstandsvorsitzender des Vereins. Was ihn antreibt, hat sich mit der Zeit entwickelt: Tieren zu helfen und für Lebewesen einzustehen, die nicht selbst für sich sprechen können. Auch Julia Mertens, die seit 2021 im Verein tätig ist und als Tierheimleiterin arbeitet, beschreibt ihre Verbundenheit mit großer Wärme. Die Geschichten der Tiere und oft auch die ihrer Menschen berühren sie. Sie geben ihr und dem Team täglich neuen Antrieb.
Im Tierheim werden nach Schätzung der Gesprächspartner jährlich etwa 200 bis 300 Tiere aufgenommen. Viele sind Fundtiere, andere werden aus persönlichen oder finanziellen Gründen abgegeben. Auch behördliche Sicherstellungen kommen vor, wenn Tiere nicht angemessen gehalten werden. Die Vielfalt der Fälle verlangt Aufmerksamkeit und Erfahrung: Bei jedem Neuankömmling wird zunächst geprüft, ob sofort ein Tierarzt gebraucht wird. Ist medizinische Hilfe nötig, steht sie an erster Stelle. Danach erhalten die Tiere Futter, Wasser und einen geschützten Platz, an dem sie erst einmal zur Ruhe kommen können.
Rund 80 Katzen und etwa sechs Hunde sind zeitweise im Tierheim oder auf Pflegestellen untergebracht. Mit diesen Pflegefamilien steht das Team regelmäßig in Kontakt. So bleiben die Verantwortlichen über die Entwicklung der Tiere informiert und können Interessierten ein möglichst genaues Bild vermitteln. Für die Tiere bedeutet das eine zusätzliche Chance, sich in einem häuslichen Umfeld zu zeigen und Schritt für Schritt Vertrauen aufzubauen.
Die passende Vermittlung braucht Zeit
Das Tierheim setzt auf sorgfältige Vermittlungen statt auf schnelle Entscheidungen. Wer sich für einen Hund oder eine Katze interessiert, spricht zunächst mit dem Team über die eigenen Lebensumstände, Erwartungen und Möglichkeiten. Passt das gewünschte Tier tatsächlich zum Alltag? Können die künftigen Halter Zeit, Geduld und laufende Kosten aufbringen? Und wissen sie, welche Bedürfnisse mit einer bestimmten Rasse verbunden sein können? Solche Fragen helfen, Mensch und Tier dauerhaft zusammenzubringen.
Besonders häufig werde unterschätzt, wie lange ein Tier braucht, um sich an ein neues Zuhause zu gewöhnen. Auch der zeitliche Aufwand und die Kosten der Haltung können größer sein als erwartet. Ein Hund, der wegen seines Aussehens gefällt, bringt möglicherweise Eigenschaften mit, die den Alltag deutlich prägen. Ein Beagle etwa braucht Beschäftigung und Bewegung – hübsche Schlappohren allein übernehmen den Spaziergang nicht.
Die Vermittlung gelingt dem Verein nach eigenen Angaben oft innerhalb von 40 bis 50 Tagen. Gute Sichtbarkeit in sozialen Medien unterstützt die Suche nach passenden Adoptanten. Trotzdem zählt nicht nur das Tempo: Entscheidend ist, dass das Tier in ein Umfeld kommt, in dem seine Bedürfnisse verstanden werden. Manche Tiere brauchen mehr Zeit, Nähe oder Abstand, bevor sie sich öffnen. Das Tierheimteam muss genau beobachten und herausfinden, welche Unterstützung ihnen guttut.
Das gilt für ältere Tiere ebenso. Kleine Hunde würden häufiger adoptiert als große, und für einen 14 Jahre alten Hund wie Merlin kann die Suche nach einem neuen Zuhause besonders schwierig sein. Dennoch geben Julia Mertens und ihr Team die Hoffnung nicht auf. Auch ein älteres Tier kann noch einmal ankommen – bei Menschen, die ihm ein ruhiges und liebevolles Zuhause schenken möchten.
Ein Tierheim mit begrenztem Platz und großen Plänen
Die Arbeit ist emotional erfüllend, aber auch körperlich und mental fordernd. Abschiede gehören dazu: Wenn ein Tier vermittelt wird, überwiegt die Freude über sein neues Zuhause, auch wenn manchmal Tränen fließen. Manche Tiere wachsen den Mitarbeitenden besonders ans Herz; zwei davon haben sogar bei Julia Mertens zu Hause ein Zuhause auf Zeit gefunden. Neben dem Tierpflegeteam tragen Ehrenamtliche und Vereinsmitglieder entscheidend zum Alltag bei. Der Verein zählt nach Angaben der Gesprächspartner mehr als 250 Mitglieder. Sie kümmern sich etwa um das Gelände und andere Aufgaben, die neben der Versorgung der Tiere anfallen.
Auch finanziell ist die Belastung groß. Der Verein finanziert sich ausschließlich über Spenden und gibt nach Aussage von Marcel Mertens rund 5.000 Euro pro Monat für Tierarztkosten aus. Jeder Beitrag hilft dabei, Tiere behandeln zu lassen und sie gesund in ein neues Zuhause zu vermitteln. Mit der Erweiterung des Zuständigkeitsgebiets – unter anderem kamen die Samtgemeinden Zeven und Selsingen hinzu – wächst zugleich der Bedarf.
Das bestehende Tierheim ist ein umgebautes Wohnhaus mit Außenbereichen und gesichertem Hundeauslauf. Der Platz reicht jedoch nicht aus, um den Bedarf im Landkreis langfristig zu decken. Deshalb arbeitet der Verein an einem neuen, zentralen Tierheim. Ein passendes Grundstück wurde gefunden, und Gespräche über die Umsetzung laufen. Bei der Planung sollen die Bedürfnisse der Tiere und die geltenden Mindestanforderungen maßgeblich sein. Mehr Platz soll bedeuten, dass künftig noch mehr Tiere aufgenommen und versorgt werden können.
Tierwohl braucht Unterstützung – und neue Perspektiven
Julia Mertens wünscht sich, dass Tiere weniger als schnell verfügbare Ware und stärker als individuelle Lebewesen wahrgenommen werden. Besonders bei Angeboten über Kleinanzeigen oder beim Welpenhandel sei es wichtig, genau hinzusehen und sich gründlich zu informieren. Der Verein möchte nicht nur Tiere versorgen, sondern auch beraten und für verantwortungsvolle Haltung sensibilisieren. Marcel Mertens hofft, noch mehr Menschen für die Vereinsarbeit zu gewinnen: als Ehrenamtliche, Mitglieder oder Spender. Denn selbst kleine Beträge können dazu beitragen, dass Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
Wenn Du Dich für Tierschutz interessierst, kannst Du die Arbeit des Vereins kennenlernen und Dich über seine Anliegen informieren. Der Tierschutzverein für den Landkreis Rotenburg Wümme e.V. nimmt Tiere auf, versorgt sie und sucht passende neue Zuhause – und wir laden Dich ein, Deinen Verein in den TV-Studios von „Trude Kuh“ vorzustellen, wenn Du einer Organisation mehr Öffentlichkeit verschaffen möchtest. Auf „Trude Kuh“ findest Du Informationen zu unseren Formaten und Angeboten; alles rund um das TV-Studio von „Trude Kuh“ gibt Dir einen Eindruck davon, wo Gespräche wie dieses entstehen. Möchtest Du mit Deinem Verein dabei sein, erfährst Du beim Verein im Interview vorstellen, wie Du Dich bewerben kannst. Wir von „Trude Kuh“ erreichen über 14,5 Mio. Kontakte im Monat und bieten Unternehmen damit attraktive Möglichkeiten, ihre Marke und Angebote sichtbar zu machen. Wenn Du ein Unternehmen führst und neue Zielgruppen erreichen möchtest, informiere Dich über die Werbemöglichkeiten für Unternehmen. So kommen Vereine mit ihren Anliegen ins Gespräch und Firmen können ein großes Publikum erreichen – vielleicht ja schon bald gemeinsam mit uns in den Studios von „Trude Kuh“.


