Manchmal reicht ein Lied, ein Tanz oder eine erzählte Geschichte, um eine ganze Welt lebendig zu halten. Kultur ist mehr als nur Tradition; sie ist Erinnerung, Identität und ein Stück Heimat, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Doch was passiert, wenn Menschen ihre Wurzeln in einer neuen Umgebung bewahren und gleichzeitig Teil einer vielfältigen Gesellschaft sein möchten? Genau hier setzt die Arbeit des Vereins EBKK Ezidi Bildung, Kunst und Kultur e.V. aus Göppingen an. Ihr Ziel ist es, die jesidische Kultur sichtbar zu machen, zu fördern und Brücken zu anderen Kulturen zu bauen. Im Gespräch mit Redaktionsleiter Georg Mahn in den TV-Studios von „Trude Kuh“ gab Gabriel Mashaan, der erste Vorsitzende des Vereins, faszinierende Einblicke in eine der ältesten monotheistischen Religionen der Welt und erklärte, warum Gemeinschaft, Naturverbundenheit und Respekt die Grundpfeiler des Jesidentums sind.
Was das Jesidentum ausmacht: Eine Kultur tief in der Natur verwurzelt
Viele Menschen in Deutschland haben kaum Berührungspunkte mit dem Jesidentum und fragen sich, wofür diese Kultur eigentlich steht. Gabriel Mashaan erklärte, dass das Jesidentum eine ethnisch-religiöse Gemeinschaft mit historischen Wurzeln im alten Mesopotamien ist. Ein zentraler Aspekt ist die tiefe Verbundenheit zur Natur. Dies spiegelt sich auch im Logo des Vereins wider, in dem die Farben Grün, Gelb, Rot und Blau die vier Jahreszeiten symbolisieren. Jede Jahreszeit ist mit eigenen religiösen und kulturellen Festen verbunden. Die Jesiden, so Mashaan, glauben an die Natur und sehen in ihr den Ursprung des Lebens. Diese enge Bindung zeigt sich beispielsweise im Neujahrsfest, das im Frühling gefeiert wird, wenn die Natur zu neuem Leben erwacht und alles zu blühen beginnt. Auch die Punkte im Vereinslogo haben eine tiefere Bedeutung: Sie stellen die Buchstaben E, B, K, K in Brailleschrift dar und symbolisieren damit den inklusiven Charakter des Vereins, der auch Menschen mit Behinderungen aktiv einbezieht und ihnen eine Stimme gibt.
Feste und Rituale: Zwischen Lebensfreude und tiefem Gedenken
Ähnlich wie im Christentum gibt es auch im Jesidentum bedeutende Feste, die den Jahresverlauf prägen. Zur Weihnachtszeit feiern die Jesiden das „Ida Rojia“. Dabei fasten sie drei Tage lang und beten für die Rückkehr der Sonne, da diese Zeit die kürzesten und dunkelsten Tage des Jahres markiert. Auch das Neujahrsfest im Frühling, das parallel zur Osterzeit stattfindet, weist Gemeinsamkeiten auf, wie das Färben von Eiern. Gabriel Mashaan betonte, dass Kunst, Gesang und Tanz eine zentrale Rolle im jesidischen Kulturleben spielen. Musik ist nicht nur Ausdruck von Lebensfreude bei Festen wie Hochzeiten, sondern auch ein wichtiger Bestandteil bei traurigen Anlässen. Bei Beerdigungen singen die Frauen traditionelle Klagelieder, und auch religiöse Texte werden in einer gesungenen Form, genannt „Qewl“, vorgetragen. Diese starke Gemeinschaftsorientierung zeigt sich darin, dass die Kultur offen gelebt wird, die Familie einen hohen Stellenwert hat und Rituale gemeinsam zelebriert werden. Gleichzeitig gibt es klare Regeln, wie etwa das Gebot, nur innerhalb der eigenen Religionsgemeinschaft zu heiraten. Mashaan erklärte den historischen Hintergrund dieser Regel als einen Schutzmechanismus, der nach 74 Völkermorden entstand, um die eigene Identität zu bewahren und sich moralisch von den Angreifern abzugrenzen.
Engagement für Vielfalt und ein offenes Miteinander
Gabriel Mashaan äußerte sein Bedauern darüber, dass das Jesidentum in der breiten Öffentlichkeit so wenig bekannt ist. Er erklärte, dass die Jesiden über Jahrhunderte unterdrückt wurden und es ihnen verboten war, ihre Religion und Kultur frei auszuüben oder Bücher zu veröffentlichen. Umso dankbarer sei er für die Möglichkeit, heute offen und mit Stolz über seine Herkunft sprechen zu können. Der Verein EBKK wurde gegründet, um genau das zu fördern: die eigene Kultur zu leben, aber gleichzeitig ein starkes Netzwerk mit anderen Kulturen und Religionen aufzubauen. Projekte wie die Teilnahme am historischen Maientag in Göppingen, Kindertheater oder Tanzkurse schaffen Begegnungen und machen die jesidische Kultur sichtbar. Ein besonders ambitioniertes Projekt ist die Aufforstung eines Waldes in Sindschar im Nordirak, der Region, die schwer vom Völkermord durch den IS betroffen war. In Kooperation mit afrikanischen Partnern sollen dort Bäume gepflanzt werden, um nicht nur die Natur wiederherzustellen, sondern auch ein Zeichen für den Wiederaufbau und die Hoffnung zu setzen. Für Mashaan ist der gegenseitige Respekt zwischen den Kulturen das Wichtigste. Nur wenn man sich auf Augenhöhe begegne und die Vielfalt als Bereicherung sehe, könne eine moderne und offene Gesellschaft funktionieren.
Werde auch Du Teil unserer Community
Wir von „Trude Kuh“ fanden das Gespräch mit Gabriel Mashaan vom Verein EBKK Ezidi Bildung, Kunst und Kultur e.V. unglaublich bereichernd und inspirierend. Es hat uns einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Dialog zwischen verschiedenen Kulturen für eine lebendige und respektvolle Gesellschaft ist. Wenn auch Du einen Verein oder eine gemeinnützige Organisation vertrittst und eine spannende Geschichte zu erzählen hast, dann melde Dich bei uns! Wir bieten engagierten Menschen wie Dir eine Plattform in unserem TV-Studio von „Trude Kuh“, um Eure wertvolle Arbeit einem breiten Publikum vorzustellen. Nutze die Chance und präsentiere Deinen Verein im Interview vorstellen. Für Unternehmen eröffnen sich bei uns ebenfalls attraktive Möglichkeiten: Mit einer Reichweite von über 14,5 Millionen Kontakten pro Monat ist „Trude Kuh“ der ideale Partner, um Deine Marke oder Dein Produkt zielgerichtet zu bewerben. Entdecke unsere vielfältigen Werbemöglichkeiten für Unternehmen und profitiere von unserem großen Netzwerk. Wir freuen uns darauf, von Dir zu hören und gemeinsam großartige Geschichten zu erzählen und erfolgreiche Partnerschaften zu gestalten.


