Ein leises Klicken der Schachuhr, ein konzentrierter Blick, die Hand schwebt über einer Figur – im nächsten Moment kippt die Stellung. Was von außen nach meditativer Ruhe aussieht, ist am Brett ein Duell mit Herzklopfen: Druck, Risiko und die Frage, was der andere gleich vorhat. Diese Spannung zieht Menschen seit Jahrhunderten in den Bann. Schach, eines der ältesten Strategiespiele der Welt, verbindet mit seinen 64 Feldern und 32 Figuren Länder, Sprachen und Generationen. Genau diese Faszination prägt den Vohwinkeler Schach Club 1929, der seit Jahrzehnten eng mit der Schachkultur in Wuppertal verbunden ist. In den Studios von „Trude Kuh“ spricht Vorsitzender Bernhard Herbst über Tradition, Taktik und Teamgeist – moderiert von Redaktionsleiter Georg Mahn.
Wie alles begann: Olympiade-Fieber, große Namen und ein Funke fürs Leben
Bernhard Herbst spielt selbst seit 1970 Schach – und seine Initialzündung war spektakulär. In Siegen fand damals die Schacholympiade statt: mit Weltmeister Boris Spasski, Bobby Fischer und einer Weltelite an Großmeistern und internationalen Meistern. Die ganze Region war im Schachfieber, selbst Schaufenster zeigten Studien mit eingebauten Fehlern, deren korrekte Entlarvung damals mit einem VW Käfer belohnt werden konnte. Vereine übernahmen Patenschaften für Länder, Bobby Fischer wohnte privat beim Vorsitzenden eines benachbarten Clubs, und Jugendliche durften am Brett mitschreiben. Für Herbst war diese Zeit der Startschuss. Seit 2006 ist er Mitglied im Vohwinkeler Schach Club 1929, seit 2014 dessen Vorsitzender.
Regeln, Rechenwunder und der Reiz am Unberechenbaren
Schach ist ein Brettspiel für zwei Personen. Ziel ist es, den gegnerischen König mattzusetzen. Ausgelost wird die Farbverteilung, Weiß beginnt – und dann folgt ein Wechsel, Zug um Zug. Trotz klarer Regeln öffnet sich früh ein Kosmos an Möglichkeiten: Bereits nach wenigen Zügen entstehen unzählige Stellungen, Varianten und Entscheidungen. Genau darin liegt die Kunst. Nicht jeder mögliche Zug ist sinnvoll, und nicht jede rechnerische Möglichkeit führt zu einem guten Plan. Schach verlangt deshalb nicht nur Wissen, sondern auch Auswahl, Gefühl, Geduld und den Mut, im richtigen Moment Risiko zu gehen.
Zeit als Gegner: Turnierschach, Schnellschach, Blitz und Bullet
Wo privat eine Partie gemütlich bei Gespräch und Getränk laufen kann, ist Turnierschach ein Kampf gegen den Gegner und gegen die Uhr. Die klassische Schachuhr – früher analog, heute digital – setzt mit jedem Zug die eigene Zeit aus und die des Gegners in Gang. Gängige Regelungen sind etwa 40 Züge in 90 Minuten. Daneben gibt es Schnellschach mit kürzeren Bedenkzeiten, das populäre Blitzschach mit wenigen Minuten pro Partie und Bullet, bei dem alles in extrem kurzer Zeit entschieden sein muss. Am anderen Ende der Skala stand früher das Fernschach: Züge auf Postkarten, gesendet per Luftpost bis nach Südamerika oder Australien, Partien über Jahre. Vieles davon ist heute durch Datenbanken, Online-Plattformen und Engines verändert worden. Doch Mensch gegen Mensch bleibt der Herzschlag des Spiels am Brett.
Mannschaft, Liga, Freitagabend: Vereinsleben beim Vohwinkeler Schach Club 1929
Der Vohwinkeler Schach Club 1929 zählt rund 20 Mitglieder, stellt eine Mannschaft in der ersten Bezirksliga und pflegt eine Atmosphäre, die locker und freundschaftlich ist, sportlich ehrgeizig, aber ohne Verbissenheit. Erfahrene Spieler treffen auf Einsteiger, Partien werden gemeinsam analysiert, Wissen wird weitergegeben. Freitags ist Vereinsabend, alle vier Wochen wird es im Mannschaftskampf gegen andere Clubs ernst. So entsteht ein Vereinsleben, das Menschen zusammenführt, die sich seit Jahren über Brettern begegnen und augenzwinkernd feststellen, dass niemand älter wird – zumindest gefühlt.
Kunst, Wissenschaft, Kampf: Das dreifache Wesen des Schachs
Die eine Antwort auf die Frage „Warum Schach?“ gibt es nicht. Für den dänischen Großmeister Bent Larsen war es einfach: „Ich spiele Schach, um zu gewinnen.“ Andere lieben die Schönheit komponierter Aufgaben: Matt in drei Zügen, aber unter kunstvollen Nebenbedingungen. Wieder andere sehen Schach als Wissenschaft, erkennen historische Stellungen oder erinnern Zugfolgen aus berühmten Partien. Und Schach ist Kampf. Emanuel Lasker und Bobby Fischer galten als Meister darin, nicht immer nur den objektiv besten, sondern den für den Gegner unangenehmsten Zug zu finden. Dabei treffen Taktiker und Positionsspieler aufeinander. Herbst selbst ist bekennender Taktiker: Es darf krachen, Kombinationen müssen fliegen. Positionsspiel, Endspiele und stundenlanges Ringen mit reduziertem Material sind die andere Seite des Spiels, die viele ebenso fasziniert.
Nachwuchs, Digitalisierung und die Frage nach der Zukunft
Vereine leben von Menschen, die sich engagieren. Früher war die Freizeitlandschaft überschaubar: Schützenverein, Fußball, vielleicht ein Schachverein im Dorf. Heute bietet das Netz sofortige Partien gegen die ganze Welt, ohne Vereinsbindung. Manche langjährige Spieler gehen diesen Weg, weil sie genau das suchen: beliebige Gegner, jederzeit, ohne soziale Komponente. Dem setzt der Vohwinkeler Schach Club 1929 das erlebbare Gegenüber entgegen: die Gestik, das gemeinsame Analysieren, das Lesen der Absicht am Brett. Nachwuchs bleibt ein Kernthema, ob in Schul-AGs, über lokale Initiativen oder durch den Schachboom, der durch Serien wie „Damengambit“ entstanden ist. Schach kann Konzentration, Logik und Beharrlichkeit fördern. Auch bei Kindern mit ADHS kann die klare Struktur des Spiels hilfreich sein. Verbindungen zu anderen Sportarten sind dabei manchmal überraschend – ob Schachboxen oder andere kreative Formate. Die Palette zeigt: Schach ist traditionsreich, aber keineswegs stehen geblieben.
Deine Einladung ins TV-Studio: Vereine vorstellen, Werbung platzieren, Reichweite nutzen
Wir von „Trude Kuh“ laden Dich herzlich ein: Wenn Du mit Deinem Verein eine starke Geschichte hast, Menschen begeisterst und Lust hast, im TV-Studio von „Trude Kuh“ über Eure Arbeit zu sprechen, dann melde Dich bei uns. Auf unserer Webseite „Trude Kuh“ findest Du alle Informationen, einen Blick hinter die Kulissen unseres TV-Studios von „Trude Kuh“ und die Möglichkeit, Deinen Verein im Interview vorstellen zu lassen. Das Gespräch mit Bernhard Herbst vom Vohwinkeler Schach Club 1929 hat gezeigt, wie viel Faszination in einem Spiel stecken kann: Es ging um die Geschichte eines Vereins, der seit 1929 die Wuppertaler Schachkultur prägt, um Teamgeist in der ersten Bezirksliga, um Zeitformate von Turnier bis Bullet und um die Zukunft zwischen digitalem Spiel und analogem Miteinander. Wir erreichen über 14,5 Millionen Kontakte im Monat – das eröffnet auch spannende Werbemöglichkeiten für Unternehmen, wenn Du Dein Angebot sichtbar machen willst.


