Wenn ein Kampfflugzeug über die Startbahn donnert, bleibt der Moment nicht nur als Geräusch in Erinnerung. Für die Menschen am Oldenburger Fliegerhorst bedeutete er Alltag, Verantwortung und Zusammenhalt. Heute sind viele Gebäude verschwunden, doch Geschichten, Bilder und Ausstellungsstücke lassen die Geschichte des Jagdbombergeschwaders 43 weiterleben. Die Traditionsgemeinschaft aus Oldenburg bewahrt diese Erinnerungen und macht sie für Besucher erlebbar. Über den Fliegerhorst, das Vereinsleben und die Bedeutung historischer Erinnerungsarbeit spricht Redaktionsleiter und Moderator Georg Mahn mit dem ersten Vorsitzenden Helmut Friz und dem stellvertretenden Vorsitzenden Arne Jänicke in den TV-Studios von „Trude Kuh“.
Vom Kalten Krieg bis zur Schließung des Fliegerhorstes
Helmut Friz kam 1973 aus dem Schwabenland nach Oldenburg. Als ausgebildeter Fluglotse übernahm er auf dem Tower eine Aufgabe, die ihn direkt mit dem täglichen Flugbetrieb verband: Über Funk koordinierte er Starts und Landungen und hielt Kontakt zu den Piloten. Für ihn war der Wechsel aus der Ausbildung in den aktiven Dienst ein Sprung ins kalte Wasser – und zugleich der Beginn einer besonderen Zeit.
Der Fliegerhorst war damals ein bedeutender Bundeswehrstandort. Mehr als 12.000 Menschen waren dort stationiert, verteilt auf fünf Kasernen. Soldaten in Uniform gehörten selbstverständlich zum Oldenburger Stadtbild. Zum Geschwader zählten laut Friz 54 Flugzeuge im Bestand, von denen 36 der NATO unterstellt und einsatzklar zu halten waren. An gewöhnlichen Tagen gab es mehrere Flugperioden: Maschinen starteten, waren etwa eine bis anderthalb Stunden unterwegs, kehrten zurück und wurden für den nächsten Einsatz vorbereitet. In der dunklen Jahreszeit gehörten auch Nachtflüge zum Betrieb.
Arne Jänicke kam 1989 zum Fliegerhorst und arbeitete in der Fahrbereitschaft. Die Aufgaben reichten weit über den Transport von Personen hinaus. Das Team kümmerte sich um Fahrzeuge, brachte Flugzeuge zwischen Sheltern in Bewegung, unterstützte beim Betanken und fuhr Wartungspersonal sowie Piloten zu den Maschinen. Für Jänicke fühlte sich der Standort wie eine eigene kleine Stadt an: Hinter dem Haupttor galten ein anderer Rhythmus und ein starkes Gemeinschaftsgefühl.
Mit dem Ende des Geschwaders veränderte sich auch Oldenburg. Der Standort wurde 1993 außer Dienst gestellt; die Auflösung und Entwidmung prägten die folgenden Jahre. Viele Soldaten wurden versetzt, Familien blieben teilweise zurück. Jänicke, dessen Vater lange auf dem Fliegerhorst gearbeitet hatte, kannte das Gelände schon aus seiner Kindheit: Schwimmbad, Kino und Sportanlagen waren Teil des Alltags. Als die militärische Präsenz verschwand, veränderten sich vertraute Orte und das Stadtbild grundlegend.
Erinnerungen bewahren und Geschichte zugänglich machen
Noch 1993 entstand die Traditionsgemeinschaft Jagdbombergeschwader 43. Für Friz war ihre Gründung ein Herzensanliegen: Die Erlebnisse der Menschen und die Geschichte des Verbandes sollten nicht einfach mit dem letzten Flug verschwinden. Fast 6.000 Wehrpflichtige hatten während der Existenz des Geschwaders dort ihren Dienst geleistet. Die Gemeinschaft wollte ihnen und den Berufssoldaten einen Ort geben, an dem Erinnerungen weitergegeben werden können.
Heute betreibt der Verein eine historische Ausstellung mit Fotografien, Dokumenten und Flugzeugteilen. Ein besonderer Anziehungspunkt ist ein wiederaufgebautes Alpha-Jet-Cockpit. Ehemalige Techniker halfen dabei, das aus einer Maschine geborgene Cockpit in einen weitgehend funktionsfähigen Zustand zu bringen. Besucher dürfen sich hineinsetzen und so einen unmittelbaren Eindruck vom Arbeitsplatz eines Piloten gewinnen. Das macht Geschichte greifbarer als ein Schild hinter Glas – und sorgt bei manchem Gast für leuchtende Augen.
Auch seltene Film- und Fotoaufnahmen spielen eine wichtige Rolle. Friz brachte historische Aufnahmen mit, darunter Szenen von einer schwedischen Draken und von Fiat G.91, die sich für einen Flug bereithalten. Jänicke nutzt solche Materialien für die digitale Vereinsarbeit. Aus dem privaten Bestand seines Vaters besitzt er hunderte Dias, die noch darauf warten, erschlossen und archiviert zu werden. Ein Film zum Jubiläum des Geschwaders verband solche Aufnahmen mit Bildern vom Bau des Fliegerhorstes. Gerade weil diese Dokumente unwiederbringlich sind, ist ihre Sicherung für die Traditionsgemeinschaft besonders wertvoll.
Ein Verein mit besonderen Exponaten und großen Aufgaben
Zum Vereinsleben gehören neben der Ausstellung auch Treffen und gemeinsame Veranstaltungen. Die Mitglieder bewahren nicht nur Gegenstände, sondern erzählen von Freundschaften, Aufgaben und Veränderungen. Zu den besonderen Geschichten zählt die Verbindung zu Thomas Reiter: Der frühere Pilot in Oldenburg wechselte später zur ESA und war auf der Internationalen Raumstation. Als Ehrenmitglied stellte er dem Verein ein Modell der ISS zur Verfügung – samt Weltraumnahrung, die im Gespräch für einen amüsierten Seitenblick sorgte.
Die Ausstellung zeigt außerdem, wie vielfältig die Erinnerungen an den Fliegerhorst sind. Neben Flugzeugtechnik gehört auch ein Nachbau der Oldenburger „Schrumpfgermanen“ zur Sammlung. Die Figur erinnert an eine humorvolle Darbietung, die sogar in den USA und im rheinischen Karneval auftrat. Solche Fundstücke erzählen nicht allein von militärischer Geschichte, sondern auch von den Menschen und ihrer Kultur.
Die Traditionsgemeinschaft zählt rund 270 Mitglieder. Zugleich macht der hohe Altersdurchschnitt deutlich, wie dringend die Arbeit an Archiven, Filmen und digitalen Angeboten ist. Jänicke ist mit 57 Jahren das jüngste Mitglied und bringt die Vereinsgeschichte auch online zu Interessierten. Friz hofft, dass jüngere Generationen durch Ausstellungen und persönliche Geschichten Zugang finden. Denn wenn ein Besucher im Cockpit Platz nimmt, wird Vergangenheit plötzlich konkret: Aus einem historischen Flugzeug wird ein Ort, an dem sich Fragen stellen und Gespräche beginnen.
Geschichte erleben und gemeinsam sichtbar machen
Die Traditionsgemeinschaft Jagdbombergeschwader 43 bewahrt Erinnerungen an den Oldenburger Fliegerhorst, seine Menschen und den Alltag eines großen Bundeswehrstandorts. Wenn Du ebenfalls einen Verein vorstellen möchtest, kannst Du Dich gern bei uns melden und Dein Vereinsleben in den TV-Studios von „Trude Kuh“ präsentieren. Im Gespräch mit Helmut Friz und Arne Jänicke wurde deutlich, wie viel Geschichte in alten Fotografien, persönlichen Erinnerungen und einem begehbaren Cockpit steckt – und wie wichtig es ist, dieses Wissen für kommende Generationen zu sichern.
Wir von „Trude Kuh“ bringen solche Geschichten ins Gespräch und machen Vereine, Initiativen und besondere Menschen einem breiten Publikum bekannt. Auf „Trude Kuh“ findest Du mehr über unsere Inhalte und Formate. Wenn Du wissen möchtest, wie ein Besuch bei uns abläuft, wirf einen Blick auf das TV-Studio von „Trude Kuh“. Vereine, die ihre Arbeit, ihre Geschichte oder ein besonderes Projekt vorstellen möchten, finden unter Verein im Interview vorstellen weitere Informationen und können sich bei uns melden.
Auch für Unternehmen bietet die Reichweite interessante Möglichkeiten: „Trude Kuh“ erzielt über 14,5 Mio. Kontakte im Monat und eröffnet damit vielfältige Chancen für Unternehmenswerbung. Wenn Du Deine Firma und ihre Angebote sichtbar machen möchtest, informiere Dich über die Werbemöglichkeiten für Unternehmen. Ob Du einen Verein vertrittst, der Menschen begeistern und seine Geschichte teilen will, oder als potenzieller Werbepartner neue Zielgruppen erreichen möchtest: Wir freuen uns darauf, von Dir zu hören und gemeinsam passende Möglichkeiten zu finden.


